56-
in sechsspännigen Wagen zu dem kaiserlichen Quartier; der
Kurfürst von Mainz bewillkonnnt im Namen des Kurkollegiurns
und fordert Se. Majestät zur Beschwörung der Wahlkapilulatiou
auf; sofort begab man sich in die Barlholomäikirche. Neben
dem Wagen des Kaisers ritt der Reichserbmarschall mit ent-
blösstem Kurschwert; bei dem Entsteigen in die Wägen wurden
einhundert Kanonenschüsse "düst.
©
Bei dem Eintritt in die Kirche begab sich der Kaiser in sei-nen Betstuhl, rechts neben dem hohen Altar, und die geist-lichen Kurfürsten in die Sacristci, um den Kurhabit aiizule^cn.Demnächst begaben sich Kaiser und Kurfürsten in die Wahl-kapcllc, deren Tlnirc der lleichs-Erbthürlhitcr verschloss. Inder Wahlkapclle wurde der Kaiser zu dem Altar geführt, aufwelchem ein Evangclienbuch lag, worauf derselbe zwei Fingerlegte. So beschwor er die verglichene Wahlkapitulation durchjene Eidesformel, die wir bereits oben S. 29 mitgctheilt haben.Auf ein Anklopfen von Innen öffnete der Reichs-Erbthürhiiterdie Tluire, der Kaiser begab sich wieder in seinen Betstuhl, dieKurfürsten zur Ablegung des Kurhabits in die Sacristci, wor-auf sämmtlichc Thcilnehmer unter Abfeuerung von einhundertKanonenschüssen sieh wieder nach dem kaiscrl. Quartier zu-rfickbegaben.
Hernach meldete sich eine Deputation des Stadtraths beidem kaiserlichen Obristhofmeister um Audienz bei dem Kaiserund überbrachte das städtische Geschenk, welches in einemsilbernen vergoldeten Waschbecken, zwei silbernen Armleuch-tern, nebst 100 Stück doppelten und 1000 einfachen Krönungs-Bucatcn bestand.
Von jeher brachte der Rath bei der Ankunft eines Kaiserszu Frankfurt demselben und seiner Dienerschaft Geschenke;sie bestanden meistens in Yictualien. Bis zu K. Friedrich III.Zeiten (1-4-12) waren solche: eine silberne Kanne und Becher,dazu vier Fuder Wein und vierhundert Achtel Hafer; Wahltags-akten, Tom. II, Blatt 169 folg. Als derselbe 1474 wiederumnach Frankfurt kam, gab ihm der Rath: ein vergoldetes Trink-fass „und etliche Gulden darinnen“, auch etliche Wagen mit