Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

zu entziehen und es einzig, neben der Befriedigung ihrer per»sönlichen Habsucht, für Unterrichtsanstaltcn zu bestimmen. Nachdem damaligen Stande der allgemeinen Volksbildung war auchbei protestantisch gesinnten Gemeinden noch wenig das Bewußt-sein erwacht, daß man im Interesse des Jugcnduntcrrichts einigePrivatopfer zur Stiftung von Schulen nicht scheuen dürfe. Ein-zelne Ausnahmen sind selten. Auch die unmittelbaren und mit-telbaren Grafen und Herren, welche sich für die protestantischeLehre interessirten, würdigten im Allgemeinen für ihren Zweckden Unterricht der Jugend noch gar zu wenig. Daher findenwir bei ihnen auch so selten das Bestreben, in die in ihremGebiete liegenden Klöster, womit meist die Schulen verbunden wa-ren, protestantisch gesinnte Männer hineinzubringen. Das Höchste,was solche Herren in Betreff des Unterrichtes thaten, war, daßsie für ihre eignen Kinder protestantische Hofmeister sich ver-schafften und diesen den Unterricht ihrer Kinder anvertrauten.An und für sich hatten sie auch wenig Grund, sich diese Sacheso sehr angelegen sein zu lassen; denn die Wichtigkeit des Ju-gendunterrichtes war ihnen noch gar nicht klar geworden. Beider so sehr schlechten Bestellung deS damaligen Jugenduntcrrichteswar ihnen seine hohe Bedeutung noch gar nicht zum Bewußtseingekommen. Die protestantischen Prediger, welche doch alle Wegeund Mittel kennen und anwenden mußten, welche ihre Sachefördern konnten, vernachlässigten es ganz, ihre Herren auf die-ses wirksame Mittel hinzuweisen. Sie zogen es vor, ihre Zeitund Kräfte der allgemeinen Leidenschaft der damaligen Zeit,dem eitlen Wortgezänke um dogmatische Bestimmungen, zuopfern, und dachten wenig daran, der zarten, empfänglichenJugend schon gleichsam mit dem A-B-C langsam Grundsätzebeizubringen, welche die Grundlage ihres ganzen geistigen Lebensbilden konnten. Wenn mau in einem Streit und Kampfe seineeignen Kräfte und Kampfmittel noch nicht alle genau kennt undzu würdigen weiß, so wird man meist erst durch die Erfolge desGegners darauf hingewiesen. Aber das geschah in Ansehung

- 13'