Borwort.
Es bedarf wohl keiner Entschuldigung, wenn ein Ge-schichtssreund es versucht, einen Theil der kirchlichen Denk-würdigkeiten seines weiteren und engeren Vaterlandes auszu-zeichnen ; das jedoch mag einer Entschuldigung bedürfen, wenndieß nicht also geschehen, wie es die strenge Kritik fordernwollte, und in dieser Beziehung bittet der Verfasser der vor-liegenden Geschichte um gütige Nachsicht, wenn er nicht inAllem den Anforderungen des kritischen Lesers entspricht.Alles jedoch, was den einzelnen Lesern je nach der Verschie-denheit ihres Standpunktes nicht gefallen sollte, möge mandem Verfasser nicht zum Nachtheile anrechnen. Die historischeWahrheit fordert unparteiische Darstellung. Um dem Leser zuschmeicheln oder seinen etwaigen Vorurtheilen nachzugeben, darfdie manchmal bittere Wahrheit in keiner Weise verletzt werden.Der Verfasser hegt die freudige Hoffnung, daß die hier gebo-tene Auffassung und Darstellung der Reformation im Allge-meinen wie im Besondern einiger Maßen dazu beitragen kann,den Religionshaß zu mindern, ohne dadurch den Jndifferentis-mus herbeizurufen.
In diesem Buche ist die Geschichte der Reformation inunserer Gegend erzahlt, so lange diese neue Sache äußer-lich noch nach Anerkennung rang und keine gesetzliche Be-stimmung dem beiderseitigen Kampfe die gehörigen Schran-ken gezeichnet hatte, bis zum Jahre 1672. Mit diesem Jahre