Zweites Kapitel
Austreten Luther's und dessen Anklang in Deutschland.
Durch Luther's Thesen war das Signal zum allgemeinen Auf-stande gegeben. In Sachsen erscholl es, und rasch machte esdie Runde durch ganz Deutschland. Freudig wurde dieses freieWort von so vielen Seiten begrüßt, und wohl keiner wußte sorecht, was er begrüßte, was er bezweckte, und wo diese Aufleh-nung hinaus wollte. Im Allgemeinen wußte man wohl, daß esim Reiche, sowohl im politischen wie kirchlichen, nicht so rechtbestellt war, wie es sollte; man wußte aber nicht recht, wie undwo anfangen zu besserem Bestand. Darum griff man vorläufigdiese Auflehnung Luther's gar begierig auf, stimmte ihr bei, ver-teidigte sie, gleichviel ob mit oder ohne Ueberzeugung, und ließes ruhig darauf ankommen, ob sich nicht hieraus entwickelnwerde, was zum Besseren führen könnte. So wurde das WortLuther's, welches im Grunde nur religiös und theologisch war,so schnell in den Bereich des allgemein Kirchlichen und Politi-schen hineingezogen. War im deutschen Ncichskörper nicht einesolche äußerliche Aufregung und Gährung gewesen, sicherlich würdedie Stimme Luther's nicht solchen Wiedcrhall gefunden haben,und die ganze Sache hätte sich höchstens als einen theologischenStreit oder als einen Zank zwischen einzelnen Orden oder ge-lehrten Anstalten eine Zeitlang hindurchziehen können. Aber,wie jetzt die Verhältnisse waren, kam es anders. Jeder, der nur