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Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
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religiösen Kampfes aufzudrücken. Liebe und Duldung gegen dieAndersgläubigen war ihnen verhaßt, und nur in gewaltsamerUnterdrückung der widerstrebenden Partei war ihre Freude undibr Ziel. Die neue Kirche, die sich rühmte, der Herrschaft einesOberhauptes entwachsen zu sein, gerietst unter die Herrschast derakademischen Lehrer und Hofprediger, welche als Nachfolger Lu-ther's geehrt und gleichsam für unfehlbar angeschen werdenwollten. Einem Papste hatte sich diese Kirche entzogen und sichdafür unter die Herrschaft fast unzählig vieler kleiner, abergrößtcntheils sehr hochmüthiger lutherischer Päpste gestellt, welchemit bleiernem Zepter ihre Heelden regierten und die Köpfe ver-finsterten. Diese Menschen haben die Macht, welche man ihneneinräumte, dazu benutzt, volle ISO Jahre hindurch die neueKirche durch die schändlichsten Zänkereien zu verwirren, und dasVolk, das sie in ihre Streitigkeiten hineinzogen, um seinen fro-hen Muth und seinen gesunden Menschenverstand zu dringen.')Ihre Herrschaft war eine wahre geistige Tyrannei. Dem Geistedes Menschen ließen sie nicht den geringsten Spielraum, undforderten blinde Annahme aller von ihnen aufgestellten Sätze.Sie verdammten unnachsichtig Jeden, der auch ohne seinZuthun den einen oder andern Satz der Gegenpartei beibe-hielt. Den Satz von der alleinseligmachenden Kirche, dendie Protestanten der. katholischen Kirche so bitter vorrückten, be-folgten sie praktisch in einem weit schrecklicheren Grade. Mitweit größerer Erbitterung, als gegen die ursprünglichen Haupt-gegncr, gegen die Katholiken, hatte sich der theologische Kampfin das eigne Heerlager der protestantischen Kirche geschlagen.Hier schlugen sie sich denn mit den gewandtesten, beißendsten undbittersten Ausdrücken um leere Worte, und nebst äußerer Ver-folgung, Haß und Rache waren Anthem und Maranatha dieMittel des Kampfes. Seit dem sogenannten Sakramentstreitezwischen Luther und Karlstadt hatten deren beiderseitige selbst-ständige oder unselbstständige Anhänger und Vertheidiger diesen

l) Gfrdrer, Gustav Adolph, S. 220.