Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

auf Grund eines kaiserserlichen MachtsprucheS ihre Ansichtenund Gebräuche, welche ihnen so theucr geworden waren, gegenandere ihnen verhaßte zu vertauschen, und neuerdings ihr Hauptunter das Joch einer Kirche zu beugen, auf welche sie seit lan-gec Zeit nur Spott und Hohn und Widerspruch geworfen halten.I» einer Zeil, wie die unsrige, wo man sich so gerne vornehmhinwegsetzt über alles Aeußerliche der Religion, wo man damirprahlt, nur den Geist zu fassen, aber unbewußter Weise mit derForm auch den Geist fahren läßt, wo man Alles, was Unter-schied in Wort und Leben anzeigen will, als Intoleranz ver-schreit, da hätte das Interim Triumphe feiern können. Aberin einer Zeit, wie die damalige, in einer Zeit der schroffstentheologischen Partciungen, wo Alles sich in den theologischenKampf mischte, wo Alles sich um kirchliche und religiöse Gegen-stände drehte, wo das ganze Volksleben gleichsam an einemdurch religiöse Leidenschaften auf's Höchste gespannlcu lheologi-scheu Parorismus erkrankt war, da war es nicht so leicht, durcheinige wenigen nach beiden Seiten hingesprochenen Worte dieParteien zu begütigen und durch halbe Maßregeln den Sturmzu beschwichtigen. Den untergeordneten Wortführern bei denParteien, den eigentlichen Schreiern in den Heerlagern desfeindselig getrennten Deutschlands, den eigentlichen Führern desgroßen Haufens war es nicht um Frieden und Ruhe zu thun:Kampf war ihre Seligkeit, Wahrheit ihr Ziel, Worte ihreWaffen; ob sie aus höheren und edleren oder niedrigen undschmutzigen Motiven angeregt waren, ist gleichviel. Fast alledamaligen Prediger und Volksschriflfteller, namentlich aber dieprotestantischen, waren in Bezug auf Nuhe und Frieden desReiches und der Kirche ganz und gar dem höchsten Reichs- undKirchcnregiment entgegen. Sie suchten nur immer mehr denKampf anzufachen, nur immer mehr den ganzen Vereich desgeistigen menschlichen Lebens in das theologische Parteigetriebehineinzuarbeiten und suchten allen Bestrebungen des Geistes inschöner Literatur, Malerei, Plastik und Politik den Stempel des