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Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
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gebührend gefeiert werden. Die gewöhnlichen Prozessionen unddie Solcnnitäten in der Charwoche sollen beibehalten werden.An den Bigilien von Ostern und Pfingsten soll das Taufwassergesegnet werden. Die gewöhnlichen kirchlichen Segnungen dür-fen nicht verachtet werden. Am Freitag und Samstag soll mansich nach Einsetzung der alten Kirche zur Kasteiung des Körpersvom Fleische enthalten und überhaupt die gewöhnlichen Fastender Kirche beobachten."') Alle diese Punkte konnten den Pro-testanten durchaus nicht zusagen. Um sie aber wieder zu ver-söhnen und diese Widersprüche gegen die lutherische Lehre ver-gessen zulassen, wurden, wie schon gesagt, einstweilen der Laien-kelch und die Priesterehe indulgirt und der so sehr kitzliche Punktüber die eingezogenen geistlichen Güter mit keinem Worte be-rührt. Die Lehre von der Tradition ist so leise und oberfläch-lich berührt, daß sie dem flüchtigen Beobachter gar nicht einmalaufstößt; hierdurch scheint es sowohl den befriedigen zu wollen,dem die h. Schrift einzige und höchste Quelle der christlichenLehre ist, wie zugleich denjenigen, der neben der Schrift auchnoch die Tradition als Glaubensguelle annimmt. Uebcr diegottcsdienstlichc Sprache ist auch nichts bestimmt; einmal glaubtman, es wolle nur die lateinische Sprache beim Gottesdienstangewendet wissen, und ein andermal scheint es, wenn ver-langt, daß das Volk hören und verstehen soll, was bei deneinzelnen religiösen Verrichtungen gesprochen wird, den Gebrauchder Muttersprache zuzulassen. Um dem von Luther in's Lebengerufenen Begriffe von der Messe so viel wie möglich äußerlichnachzugeben, wünscht es, daß man den alten Gebrauch derKirche wiederum einführe, wonach nicht allein der Priester, derda opfert, sondern auch die Diakone und andern Diener derKirche sich theilhaftig machten des Empfanges des Leibes undBlutes unseres Herrn. Dem protestantischen Volke will es denvon Luther so geschäftig angeregten Glauben, daß sich in allenkatholischen Gebräuchen der höchste Aberglaube bekunde, dadurch

l) Rcichstags-Abschude, S. 353. ff.