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zu bringen. Dieser aber merkte den Anrath. Er hatte wenigLust, an geheiligter Stätte die Märterkrone für die Behauptungseiner „Wahrheit" zu gewinnen, und suchte sein Heil und seineRettung in eiliger Flucht.
Warum sich der weltliche Theil der Stadt Köln so ent-schieden gegen die Neuerung aussprach, mag wohl seinen tiefernGrund mehr in natürlichen und äußern Bewegursachcn haben,als gerade in der innigen Ueberzeugung von der Wahrheit deralten Lehre und in der Liebe zur alten Kirche. Der Hauptgrundmag wobl in der durch das ganze Mittelalter sich hindurch zie-henden Spannung zwischen der Stadt Köln und dem Churfürstenliegen. Die Stadt war ganz besonders eifersüchtig auf ihreRechte; mit Mißtrauen sah sie auf Alles hin, was der Chur-fllrst that und ließ, und fürchtete in Allem geheime Machinatio-nen gegen ihre Rechte. Darum konnte sie nie mit dem Chur-fürsten Harmoniren und trat ihm immer in Wollen und Handelnentgegen. Dann mochte sie auch fürchten, bei Einführung derReformation würde von den ungeheuren Einkünften der kölni-schen Klöster mehr in die Schatzkammer des Fürsien fließen alszum Besten der Stadt verwandt werden. Die Kölner hattenauch noch viel zu viel Liebe für das Althergebrachte (wenn manvon der religiösen Bedeutung absehen will), als daß sie leidenmochten, daß die vielen merkwürdigen Reliquien auf einmalallen Werth in ihren Augen verlieren, daß sie vernichtet undihre wcrthvollcn und kostbaren Behälter, Kasten und Einfassun-gen in die Hände der Antiquare oder in die Schatzkammer desFürsten oder in den Besitz seiner kirchenräuberischen Räthe kom-men sollten. Auch hatten sie viel zu viel Pietät für die ver-schiedenen großen Männer aus Kölns Vorzeit, als daß sie hättendulden mögen, daß mit ihren in den verschiedenen kölner Kirchenaufbewahrten Uebcrresten verfahren werde, wie Philipp vonHessen mit den Gebeinen seiner Ahnfrau, der h. Elisabeth vonThüringen, umgegangen war. Auch mochten sie an ihrer SöhneZukunft denken, welche bei mancher Familie sehr prekär in Aus-