wünschte, daß alle Zweifel, alle Schwankungen, alle Uneinig-keiten, alle Irrungen gehoben würden, und daß allen seinenKindern eine und dieselbe geistige Nahrung der Seele von ihrenSeelsorgern in Wort und in Gnaden- und Sakranientenspeudegereicht werde.') Dieses waren wohl Tugenden, welche einemPrivatmanne eine höchst achtungswerthe Stellung in der Gesell-schaft verschaffen nnd die Wirkung seines eignen wie seiner An-gehörigen Heiles erleichtern können; aber für einen so einfluß-reichen Kirchenfü'rsten wie der Erzbischof von Köln, namentlichin i'ener Zeit, waren diese Tugenden nicht hinreichend. Vondiesem Prälaten mußte man mehr als guten Willen erwartenkönnen: gründliche Wissenschaft und unbeugsame Selbstständigkeit.Aber beides fehlte bei Hermann. In theologischen und kirchlichenDingen war er wohl noch weniger als halbgebildet; eS gingihm alle Kenntniß der Dinge ab, die ein Kirchenfürst nothwendigwissen muß. Um so auffallender mußte dies werden und um souachtheiligcr wirken, als gerade in jener Zeit für einen solchenkirchenfürstcn unumgänglich nothwendig waren unabänderlicheGrundsätze und eine feststehende Norm in Glauben und kirchlichemLeben, wonach die vielfachen Streitfragen rasch und mit Strengeentweder unterdrückt oder entschieden werden mußten. So großwar seine Unwissenheit, daß er nicht einmal so viel Latein konnte,um die h. Messe und sein Brevier ordentlich verstehen zu kön-ne». Wegen dieser Unwissenheit war es ihm unmöglich,sich über den Parteien zu halten und mit kräftiger Hand dieetwaigen Ausartungen beiderseits zu heilvoller Mitte hinzuführen.Seine Ansichten und Ucbcrzeugungen konnten sich nur nach An-dern richten, und es mußte ihm gehen, wie es allen schwachenGeistern in religiösen Dingen geht: dem geben sie vollkommenRecht, der gerade mit ihnen spricht und seine Ansichten ibnendurch Gründe, wenn auch nur Scheingründe, plausibel macht.Das Gegentheil beweisen können sie n'cht, und obne Gründe
l) INsimdurA, lüst. l,>itliers»ismi I. III. Rloerkeiis, cuo. ckron,, p.löl! ff. Nersaell», <Iv «lect. <lol., p. 150, ff.
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