Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

199

Varnhagen nach dem Beispiele seines 14W verstorbenen OheimS, desPastors von Iserlohn und Dechanten des attendorner Decanats,Magister Conrad Varnhagen, eifrig an der Einführung derneuen Lehre. Trotz des heftigsten Gcgenpredigens seines strengkatholisch gesinnten Pastors Conr. Möllenbeck ward Narnhagen'sAnhang immer bedeutender. Das Beispiel des genannten De-chanten hatte erfolgreich für die Einführung der Reformation indiesem Bezirke gewirkt und in Valbert bildeten sich 1S33 durchArn. Pornus, 1537 in Frömern und Lünern durch Heinr. vonSteinen, in Hcrdecke durch Dietr. Nicolai und Joh. Trygopho-rus, in Altena 1537 durch Joh. Lycaula, in Hamm 1549 durchHeinr. von Wullen, in Blankenstein 1543 durch Wilh. Stein-gen, in Oberwenigern durch Hildeb. Schlugt, in Schwerte1547 durch Alb. Pepper lutherische Gemeinden.

In Soest wurden seit 1539, auf Anregung Mycon's, Lu-ther's deutsche Lieder von den Schülern gesungen, und 1631von Joh. Kellberg beim Gottesdienste eingeführt. Auch dieGeistlichen Cerm. Suavenus, Joh. Frei und die aus Sachsengekommenen Joh. von Campen, früher Franciscaner, und Tho-mas Borchwede, früher Dominicaner, sprachen sich für die deut-schen Gesänge aus. Gegen diese aber ergriffen Joh. Groppel,sein Vicar Gensebeck und der Dominicaner Joh. Romberg mitallein Eifer das Wort. Sie vermochten es aber nicht, die schonder katholischen Lehre Entfremdeten zur alten Kirche wieder zu-rückzuführen. Die Parteien stellten sich immer schroffer und derKampf wurde immer erbitterter List und Gewalt sollten sichvereinen, um die katholisch gesinnten Bürger für die neue Lehrezu gewinnen. Es wurde verabredet, daß Job. von Campenam St. Thomastage in dem Augenblicke, wo Gensebeck auf dieKanzel treten wolle, diesem zuvorkommen und zuerst die Kanzelbesteigen solle. Durch Aufmerksamkeit und Energie der Behördeward dieser Gewaltstreich aber hintertrieben: Campen wurde inder Kirche ergriffen und in's Gefängniß geworfen. Dies ver-anlaßt mannigfache Unruhen, und der Rath sah sich genöthigt,