eigentlichen Differenzpunkte der Protestanten nnd Katholiken garnicht berührte, ch
Diese Kirchenordnung hatte auch noch den Zweck, gegen diein herzoglichen Landen hin und wieder auftauchenden wiedertäu-ferischen Irrungen anzukämpfen. In Soest, Hamm, Wesel nndDuisburg hatten sich Verschiedene von dem Schwindel und Fanatis-mus der Wiedertäufer anstecken lassen. Alle Religion, katholische wieprotestantische, alle Sittlichkeit, alle socialen Tugenden, alles Eigen-tum und alle landesherrlichen Rechte wußte der Herzog durch dieGrundsätze und Bestrebungen der Wiedertäufer im höchsten Gradegefährdet. Daher seine wie aller benachbarten Fürsten gerechteAngst vor den Wiedertäufern, sein aufmerksames Streben, ihnenjede Verbreitung abzuschneiden und seine furchtsame Geneigtheit,in jeder reformatorischen Bestrebung wiedertäuferischen Geist zuerblicken. Wo sich Wiedertäufer offen erblicken ließen und wosie ihre Lehre verbreiten wollten, wurden sie gefänglich eingezo-gen, peinlich verfolgt und meist des Landes verwiesen. Eineeigene Commisfion setzte er ein, vor welche Alle hingezogen wur-den , welche dieser Irrlehre verdächtig waren. Peinlich wurdensie verhört; wenn sie gestanden, wurden sie zum Wiederruf ge-zwungen, mit Gefängniß oder gar mit dem Tode bestraft. 2)Wie weit dieser religiöse Wahnsinn führen konnte, hatte HerzogJohann in der Nähe gesehen, als er, verbündet mit dem Bischöfevon Münster, Franz von Waldcck, und dem Churfürsten vonKöln, Hermann von Wied, vorder neuen Sion gegen die Wie-dertäufer zu Felde lag.^ß Wo er befürchten konnte, daß dieseIrrlehre sich hin verbreiten werde, da ließ er geschärfte Ediktegegen dieselben publiziren. Er duldete nirgends ein Abweichenvon seiner Kirchenordnung; die genaue Befolgung derselben hielter für den Prüfstein in Betreff des wiedertäuferischen Gräuels.
1) V. Steinen, etev. vek. Iiist., p. Il15. >r. Ilnmvtin-mn, p !>t>2. llSeckeiitl., I. ill. 23
2) Ilereslineliius, ep. cke lsct. nonlinpt, c. VIII. I'esclieiiinacder, p.33l
3) 'rescUenlu., I. c.