ohne Weihe, ohne Berufung, mit der größten Heftigkeit undTadelsucht. Schon aus diesem Grunde konnte sie den protestan-tisch Gesinnten nicht gefallen, und zudem auch noch deswegennicht, weil nach ihr die alten Ceremonien aufrecht erhalten, dieMesse beibehalten, vor dem Empfang des Leibes Christi dasSündenbckenntniß abgelegt und daS seit unvordenklichen Zeitenin der Kirche gebräuchliche Fasten nicht fahren gelassen werdensollte. Den wahren Katholiken konnte sie aber auch gar nichtgefallen, weil sie wenig echten katholischen Geist verrietst, weilsie mehr die Einführung einer Art Humanitätsreligion, als dieFestigung der wahren katholischen zu bezwecken schien, und weilsie sich gar nicht über die damals angefochtenen Glaubensartikelvom Geschäfte des Mittlers, von der Rechtfertigung, dem Glau-ben und Vertrauen, dem Nachlaß der Sünden aussprach. ^) DerHerzog selbst, der durch den Hofprcdigcr seines Schwiegersohnes,Mpconius, so viel von Luther gehört hatte, hätte hierüber ein-mal gerne die Meinung Luther's vernommen, und sandte sie zudiesem Zwecke zu seinem Schwiegersohne nach Wittenberg. Lu-ther'n konnte sie auch nicht gefallen, und er sagte davon: „Bösdeutsch, bös evangelisch; Alles, waS von Erasmus kommt, istso voll Theologie wie mein Femoral voll Pfeffer."?) Weil dieprotestantisch gesinnten Räthe mit Verdruß erkannten, daß ge-mäß dieser Ordnung den katholisch gesinnten Unterthanen nochzu viel Freiheit gelassen war, ihren Glauben und ihre NeligionS-gcbräuche ganz nach katholischen Grundsätzen zu Pflegen, sosuchten sie vom Fürsten eine erweiterte oder wenigstens erläu-ternde Kircheaordnung zu erhalten, worin sie die neuen Grund-sätze bestimmter ausgesprochen zu finden hofften. Der Herzogging darauf ein und wurde eine neue Kirchcnordnung beendigt,welche im Dezember publizirt wurde. Hierin fand jene erstcreihre nähern Erklärungen und Erläuterungen. Aber auch diese
I) Hamelmann, S. g?8. ff.iUiä. S. 0!».