braucht wurde.') Hiebet blieb auch der alte Gebrauch bestehen,daß der Priester vor dem Volke kommunizire. Diese Messe,wenn man solchen Gottesdienst noch so nennen will, wurde an-ders nicht gefeiert als bei der Volkskommunion. Diese mußteunter beiden Gestalten geschehen. Weil die Messe also nach denGrundsätzen Luther's nur eine Bedeutung haben konnte, wenndas Volk sich durch die Kommunion mit daran betheiligte, somußten alle die Messen unterbleiben, wo die Betheiligung desVolkes nicht als Hauptzweck erschien. Darum wurden die Vo-tiv - Messen und die Messen für die Abgestorbenen abgeschafft.Zuerst unterließen in Wittenberg die Augustiner auf den RathLuther's die fundirten Seelenmessen und feierten blos das Abend-mahl, die Communion, indem sie Brod und Wein, ohne Bei-mischung des Wassers, konsekrirten und beide Gestalten denenaus dem Volke mittheilten, welche kommuniziren wollten. 2)Die Seelenmessen mußten auch noch aus dem Grunde unterblei-ben, weil er das Fegfeuer leugnete und so die Gebete für dieAbgestorbenen als überflüssig erklären mußte. Den Taufritusließ Luther anfänglich unverändert, nur daß er zur Erbauungder anwesenden Gläubigen diese Handlung in deutscher Sprachevollzogen wissen wollte. Darum verdeutschteer 1522 das Tauf-büchlein, ließ aber den alten Ritus desselben bestehen: er ließden Exorzismus, das Salz, den Speichel, das h. Oel, dasKreuzzeichen, die Wachskerze u. f. w. Aber zwei Jahre später,bei einer neuen Ausgabe des Taufbüchleins geht er schon so weit,daß er die Anhauchung, das Salz, den Speichel, das ChriSmawegläßt und nur den Exorzismus, das Kreuzzcichcn und die Be-ziehung beibehält. Das spezielle Sündenbekenntniß wollte ernicht völlig abschaffen; er ließ selbiges frei, rieth es aber, in-sofern als man sich dadurch in einzelnen Gewissensfällen bei den
1) Salig, B I. K. 3. Z. t3. I,utl>. ep. tom. II. .len. lat. f. 2M. tom.
III. ^It. l, »6N. Zoeliviiil. I. II. Z. 20.
2) Seolcen-I. I. l, 5. > U6. Salig, B. I. K. 2. §. 25.
2) il>i<leui.