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Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
77
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aufgetreten mit der nackten Wahrheit und hätten die Gemeindengeradezu aufgefordert, ihren alten Glauben mit einem Maleabzulegen, einen neuen anzunehmen, die alte Kirche zu ver-lassen und in eine neue einzutreten, dann würden sie mehr undoffnern Widerstand gefunden haben. Aber sie wußten sachteraufzutreten und wußten wohl den niedrigen Stand der Bildungund Unterrichtung in Glaubenssachen, wonach der gemeine Mannwenig im Stande war, über das Wahre und Falsche in Lehreund kirchlichen Gebräuchen zu urtheilen, zu ihrem Zwecke zu ge-brauchen. Die katholischen Geistlichen und Pfarrer wurden viel-fach selbst die Propheten des neuen Kirchenthums: unvermerktzogen sie ihre Gemeinden mit hinüber zu dem neuen Bekennt-nisse. Vielfach wurden auch durch protestantisch gesinnte Landes-herren oder Patrone ebenfalls protestantisch gesinnte Geistlicheund Pfarrer ganz nach katholischer Regel und Ordnung an dieerledigten Stellen gesetzt. Diese modelten dann an dem Kirchen-wesen ganz nach Gefallen und Belieben und behielten bei, wasihnen gefiel und schafften ab, was ihnen mißfiel. Mit Bedachtsuchten sie nun langsamer Weise das Volk aus seinem altenGlauben, seiner alten Gewohnheit, seiner Anhänglichkeit an dasAlthergebrachte herauszuziehen. Sie ließen ihm von Anfangalles das, was es in dem Wahne erhalten konnte, in dem altenGlauben geblieben zu sein, und was ihm die Meinung beibrin-gen konnte, daß nur das Mißbräuchliche, Ueberflüssige und Un-christliche abgestreift und Alles auf seinen wesentlichen, nothwen-digen und wahrhaft christlichen Stand gebracht worden sei. Dasbestimmte Ceremonicl, die Rubriken, hatten die Protestantenverächtlich abgeworfen und bewegten sich einstweilen noch in dergrößten Ungebundenheit und Willkür. Bestimmte Vorschriftenund Kirchenordnungen hatten sie noch nicht, und die nicht geradenach eigenem Belieben die kirchlichen Gebräuche einrichten woll-ten, nahmen ihre Zuflucht zu dem Gebrauche in der Muiterkirchein Wittenberg oder zu den Anordnungen Luiher's selbst oder sei-ner anhänglichsten Freunde und Schüler. Diese Anordnungen