est aber, daß seit der Beendigung des Reichstages zu Augsburgallmählich sich immer offener die Bestrebungen zeigten, dem neuenKirchcnthum öffentliche Geltung zu verschaffen. Allmählich, lang-sam und stufenweise neigte man der neuen Richtung zu, undziemlich ungestört konnten diejenigen, welche in Staat oderKirche äußere Macht, oder Gewalt durch Rede und Schriftbesaßen, ihr Ziel verfolgen. So geschah es im Churstaale Kölnund in den vereinten Herzogthiimern Jülich, Cleve, Berg undMark. Die Fürsten dieser Gebiete erstrebten mit löblichen Ab-sichten eine Reform, Anfangs keineswegs im Geiste und nachden Grundsätzen Luther's. Aber übereifrige Rathgeber und Theo-logen wußten den Zügel solchen Strebens durch die verschieden-sten Kunstgriffe so in ihre Gewalt zu bringen, daß sie ihreHerren endlich dahin brachten, wohin zu gelangen diese nie ge-dacht hatten. Sie öffneten ihnen da erst die Augen, wo sieschon mit Ueberzeugung der neuen Sache ergeben waren. Wodieses Bestreben ohne wirksamen Widerstand der Stände erreichtwurde, da trat die wirkliche Reformation in einem großen Ge-bietötheile in's Leben; das geschah in den vereinten Herzogthii-mern. Wo aber die Ausführung solchen Planes auf den kritt-ligsten Widerstand der macht- und stimmhabenden Stände stieß, damußte das alte Verhältniß bleiben und die Neuerung konnte ei-nen günstigen Erfolg bloß bei einzelnen Individuen oder höchstensbei einzelnen vpponirenden Ständen sehen; so ging es im Chur-staale Köln. Daß die Annahme der Reformation bloß von deneinzelnen Fürsten und Ständen abhing, zeigt das Verhalten derübrigen wirklich protestantischen Reichsstände. War auch derBuchstabe des Gesetzes gegen sie, so fehlte die Macht, diese Ge-setze zu crcquiren. Das Reich hatte das Recht, aber die Ständedie Gewalt in dieser Sache. Und von der Gewohnheit, Fröm-migkeit, Ueberzeugung des gemeinen Volkes, welches für dieneue Lehre gewonnen werden sollte, hing auch gar wenig ab.Das Volk wurde meist für die neue Kirche gewonnen und wußteselbst nicht wie. Wäre» die Prediger der neuen Lehre gleich
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Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
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76
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