wissen Mißtrauen gegen seinen alten Glauben und mit demBewußtsein, daß viele mißlichen Einrichtungen im kirchlichenLeben noch zu beseitigen wären, vom Reichstage nach Hausezurückgekehrt sein. Dieses unbehagliche Gefühl wird er in sichgenährt haben, bis er selbst seiner Kirche den Rücken gänzlichgedreht und sich der neuen Lehre zugewandt hat. Bei Leuten,die sich wenig in der Theologie umgesehen haben, aber Anma-ßung genug besitzen, sreiweg über die geheimnißvollsten Punktein derselben abzuurtheilen, mußten solche Debatten in feinen,bestechenden Worten und die Vorlesung der Confession, wo Al-les auf so gutem Grunde zu fußen scheint, manche schlimmenGedanken erwecken. Wohl schien der Kaiser dies selbst einzu-sehen, als er sich so lange sträubte, die Confession öffentlichvorlesen zu lassen Auch Luther wußte wohl, was in dieserBeziehung seiner Sache förderlich war. „Ich meine za, schreibter an die Churfürsten von Sachsen, das Verbot des Predigenssei nicht ungestraft geblieben. Sie wollen ihren Dienern nichtvergönnen, daß sie die evangelischen Prediger hören, und müssennoch weit ärgere Dinge (wie sie es nennen) von den predigen-den Fürsten hören und verstummen. Christus schweiget gewiß-lich nicht auf dem Reichstage, und ob sie gleich wiilhen undtoben, haben sie aus der Confession mehr gehöret als sie einganzes Jahr von ihren Predigern gehöret hätten. Denn alsowird Pauli Wort erfüllet, daß Gottes Wort nicht gebunden sei.Wird es auf den Kanzeln verboten, muß man es an den Pa-lästen der Könige hören. Wird's den armen Predigern nichtvergönnt zu predigen, müssen es Fürsten und Herrn verkündi-gem Und in Summa, wenn Alles schweiget, werden die Steineschreien, sagt Christus selbst "')
So mußten über verschiedene Punkte manche zweifelndenAnsichten bei solchen untheologischen Richtern in theologischenDingen entstehen. Als der Kanzler !)>-. Bayer bei der Vorle-sung der Confession die Stelle las, „daß etwa vor 400 Jah-
1) Salig, B, 2, Kap, 4, z, 21,