daö nur auf Verleumdung uud Verderben der Geistlichkeit hin-zielte. Leichtlich konnte die Welt zu solchem Verdachte gegenihn geführt werden, wenn Hutten Briefe an ihn schreiben konnte,wie der folgende: „Selbst die Zänkereien," schreibt Hutten,„worein die Widersacher der echten Tugend und Frömmigkeitunter einander verfallen, müssen ihren Untergang befördern.Vielleicht weißt Du es noch nicht, daß sich vor Kurzem zuWittenberg in Sachsen eine Partei gegen das Ansehen derPäpste erhoben hat, während daß eine andere die päpstlichenJndulgenzen aus allen Kräften vertheidigt. Die Anführer bei-der Parteien sind Mönche, und beide schreien, heulen und klagenso laut sie können. Kürzlich hat man sogar angefangen zuschreiben. Es werden Sätze, Schlüsse und Artikel gedruckt undausgearbeitet. Eben deswegen hoffe ich, daß sie sich unter ein-ander aufreiben werden. Als mir neulich ein Bruder des Bettel-ordens erzählte, was in Sachsen vorgehe, so antwortete ich:Vernichtet nur, damit auch ihr vernichtet werdet! Der Himmelgebe, daß unsre Feinde so heftig als möglich gegen einanderkämpfen, und sich dadurch ein gemeinschaftliches Verderben be-reiten. Wenn Deutschland mich hören wollte, so müssen wirdiesem Nebel eher abhelfen als die Türken bekriegen, so not-wendig auch dieses ist. Denn was suchen wir so sehr dasHaus der Ottomannen umzustürzen, mit welchen wir blos überdie Herrschaft streiten, während daß wir die Verdcrber derWissenschaften, Religion und guten Sitten in unserer Mittedulden?"')
Wenn es auch wahr sein sollte, daß Hermann sich an derAbfassung jenes Schandlibells beteiligt habe, so hat er dochkeineswegs damit bezweckt, was Hutten und Consorten dadurchbezweckten und erreichten, und wir glauben ihn jedenfalls vonaller Böswilligkeit freisprechen zu müssen. Eine Richtung inden Gliedern der Kirche konnte er mißbilligen und lächerlichmachen wollen; aber die Kirche selbst und ihre ganze Geistlich-
I) Siehe: Studien und Skizzen zur Gesch. der Ref. Bd. >. S. 148.