bei den meisten nur das Werk des Interesses oder höchstens desBeispieles und der Nachahmung war.
Unter den Neichsfürsten zeigte sich anfänglich noch nicht gargroßes Feuer, sich der neuen Sache anzunehmen. Sie mochtenvielleicht noch nicht deutlich genug abschen, wie eine Begünstigungund Unterstützung dieser Sache ihre ehrgeizigen Plane befriedigenwürde. Sie wollten lieber noch eine Weile zusehen und derSache ibren Verlauf lassen. Philipp von Hessen schien aber schonfrühzeitig seinen Vortheil daraus einzusehen, was er beweist durchden gemeinen Raub und die niederträchtige Zerstörung am Grabeseiner Ahnfrau Elisabeth zu Marburg; oder er mochte schondenken an den Consens für seine Doppelehe, mit der FräuleinMargaretha von Saal. Churfürst Friedrich von Sachsen mochtedie Sache begünstigen, weil Luther sein Untertban und geradeProfessor der Universität zu Wittenberg war, einer 1502 gestif-teten Anstalt, welche nicht in die Fußstapfen der ältern Uni-versitäten eintreten sollte, wo das canonische Recht nach denstrengsten römischen Grundsätzen und die Theologie nach denscholastischen Principien gelehrt wurde: sie sollte vielmehr einevon verschiedenen Humanisten begünstigte theologische RichtungVerfolgen und das canonische Recht nach Grundsätzen lehren, welchemehr mit den herrschenden Bestrebungen und Ansichten unter denFürsten in Deutschland übereinstimmten. Daß der Kaiser sichder Neuerung widersetzte, konnte nur natürlich erscheinen: hatteer ja schon jetzt genug mit der Macht der Fürsten zu thun, undum wie schwieriger würde sein Stand ihnen gegenüber gewor-den sein, wenn sie noch eine Macht hinzu erhalten hätten, wiedie Reform sie ihnen in Aussicht stellte. Wie der Kaiser sowar auch der Herzog von Baiern gegen die Neuerung: er wurdehiezu bestimmt durch ein Bündniß, welches er mit dem Papstegegen bedeutende Vergünstigungen von Seiten des Papstes ein-ging. Hadrian VI. erkannte hierbei dem Wittelsbach'schen Hause
1) v. Seckendorf, III, H. 79 nilck. III.
2) Middendorp, acaä. eeleb. lib. V.