Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

11

fand sie leicht Veranlassung, in's Gegentheil überzuschlagen.Sie fand diese Veranlassung da, wo selbige auch am liebstengesucht wurde, in der Kirche. Kleinlich war dieser Anlaß, aberimmer groß genug, um als Grund zu dienen, die Leidenschaftengegen das Institut loszulassen, wogegen so lange der bittersteHaß in so Vieler Herzen geglommen hatte. Es war dieserAnlaß eine ärgerliche Verkündigung und Ausbietung eines Ab-lasses, den Papst Leo X. zum Ausbau der Peterskirche in Romausgeschrieben hatte. Zufälliges Organ dieser Aufregung undzufälliger Stimmführer bei der einmal ausgebrochenen Erbitte-rung wurde, wohl ohne Wissen und Willen, ein Augustiuermönchin Wittenberg, Martin Luther. Als er seine Thesen gegen Tetzelan die Schloßkirche zu Wittenberg anheftete, da wußte er, waser wollte; wozu aber die verschiedenen Reichsstände, denen erhiedurch zur Stimme diente, diese Opposition benutzen würden, undwozu dieses sein theologisches Wort ihn und die ganze kirchlicheund politische Lage des Reiches führen würde, das wußte er nichtund konnte es nicht ahnen. Im Grunde war die Sache bei Luthernur persönlich genommenes Aergcrniß und theologische Streit-sucht. Aber den Reichsständen war sie sofort allgemeine Reichs-sache, sowohl kirchlich wie politisch. Hätte Luther ahnen können,wohin ihn, die ganze Kirche und das ganze Reich sein Anfangsredlich gemeintes und gewolltes Beginnen führen würde, er hättesicherlich seine Thesen, die Frucht seiner theologischen Bildung,in seiner Zelle behalten, oder sie höchstens mit seinen Zuhörernfreundschaftlich besprochen: er war zwar ehrgeizig, aber seineFurchtsamkeit würde ihm schon Stillschweigen geboten haben. H

l) Vergleiche- A. A, Menzel, neuere Gesch. der Deutschen Bd. I. Gfrörer,Gustav Adolph, Bdch. 2. Aap. l. Histor. polit. Blätter Bd. 10 14.