Druckschrift 
Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

kantenorden, suchten nur Mittel, ihren Bettelsack aus den Vor-rathskammern der Bauern zu spicken. Zu wie vielfachem Aber-glauben sie das leichtgläubige Volk durch allerhand Lügen, un-kirchliche Segnungen, Geisterbeschwörungen u. s. w. hinführten,davon kann man noch mancherorts die Nachklänge in unfernTagen bemerken.

Auf dies Alles brauchte nur mit den gehörigen Farben, mitgehässigen Bemerkungen, mit Witz und Spott hingewiesen zuwerden, und die Ehrfurcht vor der hierarchischen Ordnung undder Glaube an die Untrüglichkeit der von den Gliedern derHierarchie verkündeten Lehren stand auf wankendem Grunde.

Auf solche Weise räumten nun die Humanisten die Hinder-nisse weg, welche den Ständen bei ihren Planen in Betreff dergeistlichen Güter noch in der Ehrfurcht und dem Glauben desVolles im Wege standen. Fürsten, Grafen, Ritter und Städtesahen sich der Erreichung ihres Zieles immer näher. Zwar wuß-ten sie selbst, daß auch sie nicht besser als die Geistlichen, wohlin sehr vielen Punkten noch weit schlimmer waren; aber ver-brecherische Richter hindert nichts, einen Spitzbuben zum Strangezu verurtheilen. Jene Stände dachten wenig an des HerrnWort:Wer von Euch ohne Sünde ist, der hebe den erstenStein auf." P

Alles schien sich gegen das Ende des fünfzehnten und beiBeginn des sechszehnten Jahrhunderts gegen die Geistlichen ver-schworen zuhaben: von den weltlichen Reichsfürsten waren sie benei-det, von den Grafen und Rittern ward heimlich und öffentlich>Jagd auf ihre Rechte und Güter gemacht, von den Städternward ihnen übelgenommen, daß sie als die Nachfolger der Apo-stel, die nichts als Stab und Tasche mit in ihr Amt genommen,in fürstlichem Glänze und Reichthum prangen sollten, von demVolke ward ihnen die alte Achtung und Ehrfurcht verweigertund nur Haß und Mißgunst gezeigt wegen des angeblichen Schin-

l) J°h. 8. 7.