und zum Nutzen des Reichs verwendet werden. Die Feinde derKirche konnten das Volk zu noch größerm Haße gegen die Geist-lichkeit anspornen, wenn sie ihm die sittliche und geistige Lagedes Clerus vorhielten. Wie bei allen Ständen der damaligenGesellschaft, so war auch bei einem großen Theile der Geistlich-keit eine wenig erbauende Entsittlichung und Liederlichkeit einge-rissen, Es bedurfte nur einiger pikanten Hinweisungen auf denrömischen Hof unter Innozenz VIII. und Alexander VI. wie aufdie Lebensweise der meisten deutschen geistlichen Fürsten und einesguten Thciles aus dem deutschen Clerus bis zu den Bettelmön-chcn hinab, und ein Bedeutendes von der Ehrfurcht mußte schwin-den, welche das Volk vor den Nachfolgern Christi und seinerJünger haben soll. Zwar können und dürfen wir nicht Alles,was in dieser Beziehung erzählt wird, als unläugbare Thatsachenannehmen; gesteht doch Erasmus selbst, daß gar manches ge-hässige Anekdötchen absichtlich erdichtet sei. Aber das Volk nahmAlleS für baare Münze auf, und zeigte hierdurch, daß solcheDinge wenigstens nicht außer dem Bereiche der Wahrscheinlich-keit lagen. Dichtung und Wahrheit treulich im Bunde halfengewaltig den Haß des Volkes gegen die Geistlichkeit schüren.Auch hatten die Humanisten guten Grund, sich über die geringeBildung des Clerus lustig zu machen; denn von wahrer Bil-dung war außer bei den Nniversitätstheologen wenig bei derGeistlichkeit zu finden, und wenig Sorge um das Geistige, wasdas eigentliche Ziel ihres Wirkens sein sollte. Der hohe Clerusbestand meist nur aus solchen, die durch Ansehen ihres Geschlech-tes oder durch niedrige Mittel zu ihren Kirchenämtern gelang-ten. Ihre geringste Sorge war dann das Wohl der Heerde,von der sie häufig jahrelang getrennt waren, und ebenwenig diePflege der Wissenschaft, der ihr Geist keinen Reiz und ihr Herzkeine Beruhigung hätte abgewinnen können. Ihrem Beispiele folg-ten die Capitel und der untergeordnete Clerus, die Weltgeistlichcnwie die Mönche. Nur auf den Ertrag ihrer Pfründen sahendie Benefiziaten, und die Mönche, namentlich aus dem Mendi-
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Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
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