wo das Stichwort an der Tagesordnung war: „Reuten undRauben ist keine Schande, das thun die Besten im Lande." Dieheilige Scheu vor einem gottgeweihten Stande und die Achtungvor einem Eigentbume, das in den Dienern der Kirche Gott demHerrn gleichsam zu eigen gegeben war, konnte nicht weit hersein bei Fürsten, deren ganze Politik auf rohem Eigennutz be-ruhte und nur erstrebte, was der Fürsten individuelle Leiden-schaften befriedigte. Eben wenig kräftig konnte solche Scheuund Achtung sein bei Neichsgrafcn und Rittern, deren Grund-fehler Geiz und Habsucht waren, deren Leben wenig Beispielechristlichen Lebensernstes, im Gegenthcile die traurigsten Zeichenrohen Genusses und gränzenloser Sittenlosigkeit, bot. Schonlange hatten Geiz, Habsucht und Eifersucht die Augen dieserStände auf die Güter und Rechte der Geistlichen gierig hin-gerichtet. Aber es fehlte noch immer ein wenigstens scheinbarerAnlaß zu offener Gewaltthat von Seiten des Clerus selbst, unddann ein Mittel, welches dem Volke seine angewöhnte Anhäng-lichkeit an den Clerus und seine Ehrfurcht vor demselben entrißund ihm solche Gewaltstreiche gerechtfertigt erscheinen ließ. Bei-des boten die Humanisten. Sie traten gleichsam als Winkelkon-sulenten in die Verschwörung und den Bund gegen die Geistlichkeitein. Die Einen wollten die Kirche angreifen ihrer zeitlichenGüter, die Andern vieler ihrer Grundsätze wegen: Alle reichtensich als treue Bundesgenossen die Hand in ihrem Hasse gegendie Inhaber dieser Güter und die Vertreter dieser Grundsätze.Gegen die Kirche an und für sich, als göttliche Stiftung, warvon vornherein der Humanisten Streben keineswegs gerichtet.Durch ihren Streit, den sie mit den scholastischen Theologenüber die Unschädlichkeit der klassischen Studien führten, kamen sieerst allmählich zur Bekämpfung der meisten damals geltendenGrundsätze im ganzen kirchlichen Leben und hiervon zum Kampfegegen die Kirche selbst. Aber nicht alle Humanisten verirrtensich gleichweit von dem richtigen Wege in diesem Streite, undmanche gab es auch, welche die rechte Mitte zu beobachten
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Geschichte der Reformation im Bereiche der alten Erzdiözese Köln
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