Daressalam, den 15. November 1897.
Euer Excellenz beehre ich mich im Anschluss an meinen Be-richt vom 27. Oktober d. J. über das Texasfieber im ostafrikanischenKüstengebiet ganz geh. zu berichten.
Ein gewisser Procentsatz von Kindern, welche den seuche-artigen Krankheiten an der ostafrikanischen Küste erliegen, wirddurch die Surra-Kranklieit fortgerafft, ein erheblich grösserer aberdurch eine Krankheit, welche in ihren Symptomen, Blutbefund undLeichenerscheinungen mit der in den Vereinigten Staaten als Texas-fieber bekannten und von amerikanischen Forschern sorgfältig stu-dirton Viehseuche soweit übereinstimmt, dass ich nicht anstehe, trotzeiniger Abweichungen im Verhalten die hiesige Kinderseuche alsTexasfieber zu bezeichnen.
Mit dem Texasfieber übereinstimmend sind zunächst die klini-schen und anatomischen Symptome. In den akut verlaufenden,meistens nach ein bis zwei Wochen tödtlich endenden Fällen zeigendie Thiere alle Erscheinungen, welche auf eine schwere Erkrankungliinweisen, aber an und für sich nichts Charakteristisches bieten; siehaben hohe Körpertemperatur, fressen nicht, sind sehr matt und hin-fällig und magern schnell ab. Daneben kann man aber gelegentlichein Symptom beobachten, welches sofort denVerdacht auf Texasfiebererwecken muss, es ist dies eine mehr oder weniger stark blutigeFärbung des Harnes. Dieselbe ist, wie die mikroskopische Unter-suchung lehrt, nicht durch eine Beimischung von Blut, sondern vongelöstem Blutfarbstoff bedingt und somit als Hämoglobinurie zu be-zeichnen. Merkwürdigerweise hatte man dieses wichtige Symptomhier vollkommen übersehen oder wenigstens nicht beachtet. Nach-