Daressalam, den 27. Oktober 1897.
Eurer Excellenz beehre ich mich im Anschluss an meinenBericht vom 12. August d. J. die Ergebnisse meiner bisherigenUntersuchungen über die hier herrschenden Viehseuchen ganz geh.zu berichten.
Nachdem vor vier bis fünf Jahren die Rinderpest auf ihremZuge von den Somaliländern nach Südafrika den grössten Tlieil desSchutzgebietes verheert hatte, hörte man von gefährlichen Vieh-seuchen im Innern nichts mehr, und es scheint sich der Viehstandin den meisten viehzüchtenden Gebieten der Kolonie wieder in er-freulicher Weise gehoben zu haben; nur an der Küste kamenimmer noch Seuchenausbrüche vor, denen viele Rinder zum Opferfielen. Trotz der Bemühungen des Kaiserlichen Gouvernements,welches immer von Neuem frische Thiere herbeischaffen liess, kamdie Viehzucht im Küstengebiet deswegen nicht vorwärts. Ueber dieseSeuchen herrschte bis jetzt vollkommenes Dunkel: man wusste nicht,ob es sich nur um eine oder um verschiedene Krankheiten handle,ob die Krankheit aus dem Innern gebracht werde, oder ob sie ander Küste entstehe.
Durch die mikroskopische Untersuchung Hessen sich dieseFragen glücklicherweise sehr bald beantworten, und es ergab sich,dass das Viehsterben an der Küste durch zwei verschiedene Krank-heiten, nämlich durch das Texasfieber und die Surra- oder Tsetse-krankheit bedingt wird.
Ich werde mich in diesem Bericht mit der letzteren Krankheitbeschäftigen und eine Schilderung des Texasfiebers an der ostafrika-nischen Küste sehr bald folgen lassen.
Koch.
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