Bombay, den 26. Mai 1897.
Eurer Excellenz beehre ich mich über die weitere Thätigkeitder Pestkommission ganz gehorsamst nachstehenden Bericht zu er-statten.
In der portugiesischen Stadt Damaon, etwas mehr als 100 eng-lische Meilen nördlich von Bombay an der Küste gelegen, herrschtedie Pest seit einiger Zeit in besonders heftiger Weise, sodass sichdie englischen Behörden veranlasst gesehen hatten, die Grenze desportugiesischen Territoriums streng abzusperren; ausserdem hattegerade an diesem Orte Dr. Haffkine eine grosse Anzahl von Schutz-impfungen nach seiner Methode vorgenommen. Es bot sich hier dieGelegenheit, zu gleicher Zeit eine Epidemie, welche auf abgegrenz-tem Gebiet und in übersichtlicher Weise verlief, und die Wirkungder Haffkine’schen Schutzimpfung zu studiren. Ich nahm daherdas Anerbieten Dr. Haffkine’s, mit ihm nach Damaon zu gehen, be-reitwillig an und reiste in Gemeinschaft mit Geheimrath Gaffky undDr. Haffkine am 18. Mai dorthin. Der portugiesische GouverneurOberst Jose Kuchenbuch Villar, gestattete uns nicht nur, an Ortund Stelle alle erforderlichen Nachforschungen anzustellen, sondernnahm uns auch, aufs freundlichste in seiner Wohnung auf. Das,was wir in Damaon über den Verlauf der Seuche in Erfahrungbrachten und was sich bei der Besichtigung des Ortes unserenAugen bot, ist für das Verhalten der Pest in so vielfacher Bezieh-ung interessant, dass ich nicht unterlassen möchte, einiges davonmitzutheilen.
Die Stadt Damaon liegt an der Mündung eines kleinen Flussesund wird durch diesen in zwei Theile getrennt, von denen der