Xacli trag 1
zu den vorstehenden Berichten über Binderpest.
Ueber die weitere Entwicklung der von mir entdeckten beidenImmunisirungsverfahren gegen Rinderpest habe ich noch Folgendesmitzutheilen.
In Bezug auf die Immunisirung mit Galle hat sich später her-ausgestellt, dass der Impfschutz nur 3—5 Monate dauert. Für eineplanmässige Bekämpfung der Rinderpest würde dies vollkommenausreichend sein, da der Infektionsstoff der Rinderpest sehr schnellabstirbt, wie die Austrocknungsversuche gezeigt haben. Eine Dauer-form des Rinderpestvirus giebt es nicht. Wo aber die Gallenimpfungzeitlich und örtlich ungieiclnnässig ausgeführt wird, da kann esnicht ausbleiben, dass die geimpften Thiere theilweise wieder inflcirtwerden, nachdem der Impfschutz erloschen ist. Letzterer ver-schwindet aber nicht plötzlich, sondern nur allmählich, und so kommtes, dass die mit Galle vorgeimpften und später inflcirten Thiere mehroder weniger leicht erkranken und meistens mit dem Leben davonkommen, dann aber auch dauernd geschützt sind.
Will man diese spätere Infektion nicht vom Zufall abhängigmachen, sondern zu einer Zeit eintreten lassen, wenn noch ein ge-nügender Impfschutz vorhanden ist, dann muss man etwa 3 Monatenach der Galleninjektion eine Impfung mit virulentem Rinderpest-blut folgen lassen.
Nach diesen Grundsätzen hat Oberstabsarzt Kohlstock die Be-kämpfung der Rinderpest in Deutsch-Südwest-Afrika durchgeführt,und zwar mit dem Erfolg, dass, nachdem man im Juni 1897 mitder planmässigen Galleninjektion begonnen hat, die Rinderpest imNovember 1897 in der Kolonie vollständig ausgetilgt war. In manchen