Daressalam, den 2. März 1898.
Das Schwarzwasserfieber ist diejenige Krankheit, welche dieärgsten Verwüstungen unter den Europäern in Deutsch-Ostafrika an-riclitet und deswegen besondere Beachtung erheischt.
Aus der Litteratur über Schwarzwasserfieber, soweit sie mirhier zugängig ist, entnehme ich, dass die Tropenärzte es für einebesondere Form der tropischen Malaria halten und dass verschiedeneForscher im Blute von Sclnvarzwasserfieberkranken die Malaria-Parasiten regelmässig nachgewiesen haben wollen.
Auf den ersten Blick hat das Schwarzwasserfieber auch einegewisse Aehnlichkeit mit der Malaria. Es fängt mit einem heftigenSchüttelfrost an, während dessen die Temperatur schnell steigt.Sehr bald stellt sich dann aber noch das für diese Krankheit charak-teristische Symptom, die Absonderung eines durch Beimischung vongelöstem Blutfarbstoff blutig gefärbten Urins ein. Der Urin siehtdunkelroth, oft schwarzroth oder fast schwarz aus, daher die Be-zeichnung Schwarz Wasserfieber. Mehr oder weniger stark ausgeprägteGelbsucht und häufiges, oft unstillbares Erbrechen, sowie ein be-ängstigender Verfall der Kräfte vervollständigen das Krankheitsbild,welches eigentlich eine noch grösssere Aehnlichkeit mit dem Gelb-fieber als mit der Malaria hat. Deswegen ist es auch schon mitGelbfieber identificirt, was aber entschieden unrichtig ist, da es nochniemals ansteckende Eigenschaften gezeigt hat und nicht in epide-mischer Form aufgetreten ist.
Während man über das Wesen der Krankheit im Allgemeineneinig war, gingen die Meinungen über die Behandlung des Scliwarz-wasserfiebers dagegen weit auseinander, und es stehen sich zwei