Auch zu einigen Beobachtungen über die Rinderpest hat dieserAusflug Gelegenheit geboten. Nach der von Sachverständigen er-haltenen Auskunft verschwindet die Rinderpest in den Nordwest-provinzen und in Bengalen niemals gänzlich. Sie herrscht in diesenTheilen von Indien offenbar endemisch. Sie soll in der Regel einenziemlich milden Verlauf haben, namentlich in der heissen trockenenJahreszeit. Im Gebirge, und wenn es in der Ebene kühler wird, soll dieKrankheit mehr um sich greifen und auch eine grössere Mortalität be-wirken. Wegen dieser etwas abweichenden Verhältnisse hat man mehr-fach die Behauptung aufgestellt, dass die indische Rinderpest eineandere Krankheit sei, als diejenige, welche in Europa und Afrika sogrosse Verheerungen angerichtet hat. In einigen Dörfern in der Nähedes Städtchens Tanda konnte ich eine Anzahl von pestkrankenRindernuntersuchen und auch die Obduktion eines eben verendeten Tliieresmachen, und ich habe dabei die Ueberzeugung gewonnen, dass essich um genau dieselbe Krankheit handelt, welche ich in Südafrikagesehen habe und von der Niemand bezweifelt, dass es echte Rinder-pest ist. Ansteckungsmaterial, welches von dem erkrankten unddem todten Thier entnommen war, wurde nach Muktesar geschafftin eine für Studien über ansteckende Thierkrankheiten bestimmteund isolirt im Gebirge hochgelegene Versuchsstation der indischenRegierung, und hier durch Verimpfen auf gesunde Rinder, die Ver-suche über Rinderpest in Gang gebracht. Auch die bald nach derImpfung an den Rindern auftretenden Krankheitssymptome und derObduktionsbefund eines nach der Impfung gestorbenen Thieres be-stätigten, dass es sich hier um unzweifelhafte Rinderpest handelt.
Schliesslich habe ich noch über Leprastudien zu berichten,welche Herr Dr. Sticker auf meine Veranlassung in dem nicht weitvon Bombay gelegenen Leprosorium „Matunga“ gemacht hat. DieseAnstalt beherbergt gegen 350 Leprakranke, und es bot sich hier dieGelegenheit an einer grösseren Zahl von Kranken, die von mirgefundene Thatsaclie, dass bei den meisten Leprakranken zahlreicheLeprabacillen im Sekret der Nasenschleimhaut vorhanden sind, nach-zuprüfen. Da mit dem Nasensekret die Leprabacillen aus demKörper heraus und ins Freie gelangen, so handelt es sich hier mög-licherweise um eine sehr wichtige, vielleicht um die wichtigste In-fektionsquelle der Lepra. Es wurden im Ganzen 147 Leprakranke