Druckschrift 
Reise-Berichte über Rinderpest, Bubonenpest in Indien und Afrika, Tsetse- oder Surrakrankheit, Texasfieber, tropische Malaria, Schwarzwasserfieber
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

Da von den geimpften Schafen und Ziegen keine Thiere starben,so musste, um einen Einblick in die krankhaften Veränderungen derinneren Organe zu gewinnen, ein Thier getödtet werden. Dies ist auchgeschehen, und ein Merinoschaf, welches eine besonders hohe undcharakteristische Temperaturkurve hatte, durch Nackenstich getödtet.Bei diesem Thiere zeigte der vierte Magen sich kaum verändert, aberdie Entzündungserscheinungen der Därme, Dickdarm, Mastdarm, undauch der Nasenschleimhaut waren ganz die gleichen wie bei einemBind, welches ungefähr in demselben Stadium der Krankheit getödtetwird. Die so ausserordentlich widersprechenden Angaben über dieRinderpest bei Schafen und Ziegen finden durch diese Versuche eineungezwungene Erklärung. Es wird vielfach behauptet, und auch ichhabe es auf Rinderpestfarmen im Freistaat gehört, dass die Schafeund Ziegen mit Rinderpestvieli zusammengehalten wurden, ohnedass dieselben erkrankt seien. Von anderer Seite wird dagegenmitgetlieilt, dass die Rinderpest sich unter Schafen und Ziegen ge-zeigt habe, nachdem sie unter dem Rindvieh erloschen sei, unddass, wenn sie erst einmal diese Thiere ergriff, sie dann noch vieleOpfer gefordert habe. Diese Widersprüche lassen sich dadurch er-klären, dass Kleinvieh gelegentlich Rinderpest bekommt, aber nurso leicht erkrankt, dass es nicht bemerkt wird. Erst wenn die Seuchedurch mehrfache fortlaufende Uebertragung innerhalb des Klein-viehes sich zu einer virulenteren Form herangezüchtet hat, dannwerden die Erkrankungen augenfällig, und es kommt auch zu Todes-fällen, die dann nicht mehr als durch Rinderpest hervorgerufen zuverkennen sind.

Um auf das Rinderpestvirus durch chemische Agentien einenabschwächenden Einfluss auszuüben, sind bisher folgende Versuchegemacht worden: Es wurde Rinderpestblut mit Glycerin in ver-schiedener Koncentration gemischt, ebenso mit Phenol. Die mitdiesen Mischungen injicirten Thiere sind überhaupt nicht krank ge-worden. Es muss selbst das Glycerin ausreichend gewesen sein, umdas Rinderpestvirus abzutödten, was um so bemerkenswerther ist,als fast alle Infektionsstoffe, namentlich auch das Pockenvirus, durchGlycerin nicht geschädigt, sondern eher konservirt werden. DieseThiere erhielten hinreichend lange Zeit nach der ersten Injektioneine Injektion mit frischem Rinderpestblut und sind nach der ge-