welche Johann von Noyon zu verkünden gesandt war, wie seine Lob-redner behaupten: man könnte ihm überdies noch die Erfindung streitigmachen, und wie die Prävicanten von Lausanne, die Ehre des fatali-stischen Systems dem Zwingli und Oekolampadius zuschreibcn; wirwollen sie aber ihm lassen, und wollen, ans nnverwerfliche Zeugnissegestützt, nur daran festhalten, dass jede dieser Neuerungen eine Lüge ist,welche unmöglich von dem heiligen Geiste eingegeben sein konnte. Dader Mund eines Reformirten dieses Urtheil gefällt hat, was soll esdann mit der Krone heissen, welche die verehrliche Gesellschaft derPastoren, unter denen ein Antitrinitarier ist, nach drei Jahrhundertenauf die Stirne Calvin's setzt?
Es ist eine unwiderlegbare historische Wahrheit, Laß Calvin nach-theilig auf die Sitten der Republik einwirkte. „Ohne Zweifel", sagtGaliffe, „waren die alten Genfer keine Engel von himmlischer Rein-heit; aber sie waren doch auch wenigstens keine Heuchler. Sie entweihtenden Tempel nicht durch Bezeugungen einer exaltirten Pietät, bei dersie die Frucht ihres Leichtsinns aussetzten. Sie waren heftige Feinde;aber keine falsche Zeugen, Spionen und Angeber. Sie hatten Nach-sicht nothwendig; sie hatten sie aber auch selbst, und suchten ihrenatürliche Schwäche nicht mit dem Todtengerichte einer unmenschlichenStrenge zu verbergen. Sie waren, was sie wieder wurden, als derCalvinismus unter uns nichts Anderes mehr war, als eine Balladevergangener Zeiten, — kühne, dreiste, unabhängige Leute, gute Freunde,leicht erregbare, aber auch leicht versöhnliche Feinde, liebreich und erge-ben, und bei Allem edle Patrioten, weil sie ein Vaterland hatten, dassie lieben konnten."
Das alte Blut der Genfer blieb so lange rein, bis Calvin das Blutder Flüchtlinge seiner Prätorgarde unter dasselbe mischte; das Blut dieserGauner, Schelme und Bankerotter von Profession, welche im Konsisto-rium saßen, in den Rath traten, als Bürger ausgenommen wurden,und für so viele Ehren den Unrath gaben, von dem die Stadt zuvorkeine Ahnung gehabt hatte. Während der ganzen Dauer der Herrschaftdes Theokraten war das Spionenwescn eine einträgliche Würde. Wennder Moralist die Archive der Verwaltung durchforschen will, wird ihnHerr Galiffe begleiten und ihm die offenen Register der eingeschriebenen
1) „Die Prediger in Lausanne erklärten, daß sie diese Lehre nicht von Calvinangenommen hätten, indem sie bereits von Zwingli und Oekolampadius vorge-tragen worden sei." — Schröckh.
2) (iniitle, Polices gen. t. ttl., krelnce, p. 16 — 17.