Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
324
Einzelbild herunterladen
 

XXI. Kapitel

Calvin als Schriftsteller.

Calvin und Luther auf der Kanzel. Ursachen, weßhalb Calvin ein untergeordneterRedner war. Er verachtet den Gebrauch des Bilves. Vergleich zwischenden Zuhörern in Genf und in Wittemberg. Das dominirende Ich in Cal-vin. Die Libertiner. In welchen verschiedenen Graden die ReformatorenMeister ihres Styles sind. Ist Calvin einer der Schöpfer der französischenSprache? Syntaktisches Verfahre».

Die Reformation konnte sich nur Eines großen Schriftstellersrühmen. Luther, aus der Kanzel, als Redner und Exeget, ist einTypus, der im Protestantismus seines Gleichen nicht gehabt hat.Der Doctor hatte die heilige Schrift, die Väter und Dichter gründlichstudirt; den Virgil, die Propheten und insbesondere das sächsische Volkkannte er auswendig. Mathesius schildert ihn uns, wie er in die Minenniederstieg, um die Gespräche der Bergleute zu hören; wie er sichmitten auf dem Felde niedersetzte, um mit einem Arbeiter über denFeldbau zu reden; wie er vor der Fleischbank eines Mezgers stehenblieb, um alle Theile eines zerhauenen Thieres kennen zu lernen; wieer den Steinschneider um die Namen der Edelsteine befragte, welchedie herzogliche Krone zierten; und wie er an Markttagendie Sprache der Bauern, der Krämer, des Adels und der Sol-daten studirte. Von all diesen verschiedenen Sprachweisen hatte er sichdie technischen Ausdrücke, die Sprüchwörter der Halle wie die Bilderder Schenkstube gemerkt, um sie zu einem Idiome zu verschmelzen,dessen Geheimnis; nur er kannte. Eines Tages, da es gerade einentiefen Eindruck auf die Einbilvungskrafr zu machen galt, sprach er vonKaiser Karl V. Nachdem er von dem Wurme der Erde, dem Staube,dem Kothe gesprochen und Vergleiche angestellt hat, welche die Schriftmacht, um unser großes Nichts zu schilvern, sucht er in seinem Wör-tervorrathe Ausdrücke, welche alle Handwerker kennen, undnageltund hobelt," wie er sagt, den Kaiser lebendig in seinen Sarg.