Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
248
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XVI. Kapitel.

Häusliches Leben in Genf. 1541 1560.

Der Gelehrte zur Zeit des WiederausblühcnS der Wissenschaften. Luther undCalvin. Politische und literarische Beschäftigungen des Genfer Reformators. Lösung verschiedener Gewiffensfälle. Geistige Fruchtbarkeit Calvin'-.Er zieht gerne seine Freunde zu Rache. Seine Mitarbeiter. Sein Brief-wechsel. Sein Gemüth. Tod der Zdelette. Calvin Lei Tische. Inseiner Wohnung. Seine gewöhnliche Lectüre, die Bibel. Calvin seinentheologischen Gegnern gegenüber. Er wußte immer nur zu hassen. Ersucht seine beißende Redeweise zu rechtfertigen. Krankheiten. HäuslicheGrämlichkeiten.

Es gibt im Leben der Gelehrten des Mittelalters Etwas, wasunsere Bewunderung erregt, es ist ihre leidenschaftliche Liebe zum Stu-dium, die ihnen zur Tafel, in's Bett und auf den Spaziergang folgt.Erasmus entwarf bei seiner Rückkehr aus Italien, als er zu Pferd überdie Alpen zog, den Plan zu seinem Lobe der Narrheit, von dem ernoch am nämlichen Abende einige Kapitel in einer der Herbergen ent-warf, die er so geistreich anschwärzt. Castalion, der genöthigt war,im Rheine zu fischen, um seine Familie zu ernähren, schrieb, indem erauf die Fische wartete, auf die Zettel, die er von den Pfeilern derCathedrale in Basel Herabriß. Um dem ungestümen Geschwätze seinerDoctorin Ketha zu entrinnen, nahm Luther Brod, Salz und Butteraus der Küche und sperrte sich drei Tage und drei Nächte in seinemArbeitszimmer ein, dessen Schlüssel er versteckte, bis ihm seine ungedul-dige Frau drohte, sie hole den Schlosser. Nie war auch die Liebe zuden Wissenschaften fruchtbarer: die Werke Luther's in Octav gedruckt,Würden in unfern Tagen eine völlige Bibliotheke bilden.

Mit siebenundzwanzig Jahren hatte Calvin seinechristliche Unter-weisung" geschrieben, ein Werk, das an sich schon so groß ist, alsdie Bibel, und in welchem alle Fragen, welche die geistige Welt biszum Ende der Welt beunruhigen können, vom Grunde bis zur Spitze