14
genug, daß sie viermal im Jahre öffentlich den Leib Jesu Christiempfangen. Die Kirche ist keine Sklaverei: wenn sie Jedem, der sichdem Tische des Herrn nahen würde, insbesondere zur Zeit der Pest,das Sakrament ertheilen wollte, so wäre dich eine all zu schwereBürde für die Prediger." ')
II. Kapitel.
Der geistliche Stand. 154L - 154S
Was aus der Reformation geworden wäre, wenn Calvin in Cislebcn das Licht derWelt erblickt hätte. — Hierarchische Ideen Calvins. Kirchcnordnnng. — Pasto-ren. — Acltcste. — Doktoren. — Diakone. — Consistorium. — Prü-fung des Systems der Kircheneinrichtnng Calvins. — Mangel an Einheit. —DerAelteste, der Angeber, der Richter, der Papst. Langsame Rückkehr Calvinszu den katholischen Ansichten von der Nothwendigkcit des Episkopats.
Hätte Gott den Calvin in Eisleben geboren werden lassen, sowäre die sächsische Reformation nicht zu Stande gekommen, denn derSohn des Schreibers von Noyon hatte vom Himmel nicht die hinrei--chende Kraft empfangen, eine Revolution ins Werk zu sehen. Wennman Massen in Aufregung bringen will, muß man Luther'n gleichen:im Auge sein Leuchten, in der Stimme seinen Donner besitzen, umdurch den Blick und durch die Sprache zu bezaubern. Die SpracheCalvins war weichlich und furchtsam, sein Blick ohne Gewalt. Luthernahm Besitz von der theologischen Welt, nachdem er mit Bergleutengelebt, ihre derben Gesänge gehört, schwarzes Brod gegessen, undtrübes Bier getrunken hatte; von Kindheit an war er einer Gesell-schaft einverleibt, die ihm das Almosen versagte, das er in Magdeburgvon Thüre zu Thüre bettelte. Am Abende legte er sich in seiner
1) Uicbelet: LK'vwiros cke l.utker, t- II. p. 342