XX. Kapitel.
Calvins Tod. LS64.
Verschiedene Krankheiten, welche den Reformator plagen. — Sein Schreiben andie Aerzte von Montpellier. — Ursache seiner letzten Leiden. — Seine Lehrenwurden in Zürch verlassen. — Sein Abschied vom Rathe. — Sein Testa-ment. — Annäherung des Todes. — Seine letzten Augenblicke. — SeinLeichenbegängniß.
Calvin trug schon in seinem vierzigsten Jahre alle Zeichen eineshohen Alters an sich: sein Rücken war gebeugt, sein Angesicht abge-magert, seine Lippen erbleicht, seine Stirne welk, seine Haare ergraut.Nur sein Auge hatte das ursprüngliche Feuer bewahrt. Seit seinerKindheit war er verschiedenen Krankheiten unterworfen gewesen, welchedie Zeit nur vergrößert hatte; schon in der Schule beklagte er sichüber eine Migräne, welche ihn seitdem wie ein völliger Blitzstrahl beiTische, im Rathe, oder auf der Kanzel überfiel. Man konnte dieAnnäherung der Krankheit an den blau werdenden Lippen, an derZusammenziehung der Gesichtsmuskeln und an der fieberhaften Reitzungdes Gehirns erkennen. Es ist sogar nicht schwer, in seinen letztenSchriften die Stellen zu bezeichnen, bei welchen ihn das Nebelüberfiel: seine Redeweise, die bis dahin matt war, sprüht dann einigeblasse Funken. Bald verwirrt aber diese Ueberreitzung des Gehirnsden Verstand des Schreibers, der genöthigt ist, inne zu halten, dieArbeit aufzugeben, und sogar auch das Nachdenken zu vermeiden.Auch Luther war von einem Schwindel gequält, während dessen erBerge einstürzen, Stürme saußen, und Schlangen zischen zu hörenglaubte; er widersetzte sich aber sogleich standhaft den Anfällen desTeufels, von dem er sich dann heimgesucht glaubte, und sein Wort,das gezwungen war, die zähen Schlingen, in welchen ihn der Satanhalten wollte, zu durchbrechen, glich dem Blitze, der durch die Wolkendringt, es floß in Feuerströmen auf das Papier. Calvin, welchernicht wie der Mönch an eine Gewaltherrschaft des bösen Geistes