„Vor Allem sage ich Gott Dank, daß er nicht nur Mitleid mitmir, seinem armen Geschöpfe gehabt, und mich von dem Abgrundedes Götzendienstes, in welchen ich versunken war, zurückgezogen hat,um mich zur Klarheit seines Evangeliums zu führen, und mich Theilnehmen zu lassen an der Lehre des Heiles, kessen ich doch all zu un-würdig war: daß er nicht nur seine Barmherzigkeit fortdauern ließ,und mich bei so vielen Fehlern und Armseligkeiten ertrug, welchewohl verdient hätten, daß ich hundertmal von ihm verworfen wordenwäre, sondern auch, und was noch mehr ist, daß ec seine Gnade gegenmich so weit ausgedehnt hat, daß er sich meiner und meiner Mühesogar bis jetzt bediente, um die Wahrheit seines Evangeliums zu ver-breiten und zu verkünden. Ich gelobe in diesem Glauben, den er mirgegeben hat, zu leben und zu sterben, und keine andere Hoffnungoder Zuflucht zu erwarten, als seine Gnadenwahl, auf welche all meinHeil gegründet ist. Ich umfasse die Gnade, die er mir in unsermHerrn Jesus Christus zu Theil werden ließ, und nehme an dasVerdienst seines Todes und Leidens, auf daß durch dieses Mittel allemeine Sünden begraben werden, weßhalb ich auch bitte, er mögemich waschen und reinigen mit dem Blute dieses großen Erlösers,das er für alle arme Sünder vergossen hat, damit ich vor seinemAngesichte erscheinen kann mit seinem Ebenbilde. Ich betheure auch,daß ich mich nach dem Maaße der Gnade, die er mir verlieben hat,bemüht habe, sein Wort rein zu lehren, sowohl in Reden als durchSchriften, mit getreuer Auslegung der heiligen Schrift. Selbst inallen Disputen, welche ich gegen die Feinde der Wahrheit gehaltenhabe, gebrauchte ich keine List noch Sophisterei; sondern ich bliebimmer aufrichtig bei der Sache. Aber ach, der Wille und der Eiferden ich hatte, wenn ich es so nennen darf, war so kalt und schwach,daß ich mich in Allem sehr schuldig fühle; und daß alle Liebe, welcheich hatte, ohne seine unendliche Liebe nur Dunst wäre, da selbst dieGnaden, die er mir angedeihen ließ, mich nur um so schuldiger machenwürden: ich nehme also meine Zuflucht zu ihm, dem Vater der Barm-herzigkeit, er möge sich als Vater eines so erbarmenswürdigen Sün-ders erzeigen. — Ich wünsche übrigens, daß mein Leib nach meinemHinscheiden auf die gewöhnliche Weise begraben werde, wo ich dannden Tag der glücklichen Auferstehung erwarte. Was die wenige Habebetrifft, die Gott mir schenkte, und über die ich verfügen kann, soernenne ich und setze zu meinem einzigen Erben ein, meinen vielge-liebten Bruder Anton Calvin, jedoch nur dem Titel nach, und über-lasse ihm für alle Ansprüche die Schale, die ich von Herrn Varannes
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