Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
316
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Er sah ein, daß seine letzte Stunde nahe war und ehe er GenfLebewohl sagte, wollte er seinen letzten Willen dictiren. Am fünfund-zwanzigsten April ließ er den Notar Chenelat rufen, welcher die testa-mentarischen Verfügungen des Sterbenden vernahm und aufzeichnete.Was Calvin in dem Augenblicke beschäftigt, in welchem er vor Gotterscheinen muss, ist das Urtheil der Welt, die er verläßt. Ihr findetauf seinem Sterbebette den Despoten, welcher die Nachwelt täuschenmöchte, wie er Genf getäuscht hatte: er will uns bereden, er-hübe während seines ganzen Lebens nie eineList und Sophistereiangewandt, sondern sei immer aufrichtig bei der Sache geblieben." DerReformator hatte wohl daran gethan, daß er die Beicht abschaffte; dennder katholische Priester, der ihn besucht hätte, würde nie geduldethaben, daß der Sterbende Gott und Menschen also anlüge. Erhätte die Fenster des Krankenzimmers geöffnet, und hätte dem Ster-benden den Hügel auf dem Champel gezeigt, wo man noch einigeUeberreste von der Asche des Scrvetus hätte finden können, wenn manaufmerksam nachgesucht hätte.

Folgende Zeilen sind die letzten, welche Calvin Unterzeichnete, eheer seine Seele Gott heimstellte.

Im Namen Gottes. Es sei jedermänniglich kund und offenbar,daß im Jahre ein Tausend fünf hundert und vier und sechzig amfünfundzwanzigsten Tage des Monats April, ich Peter Chenelat, Bür-ger und geschworner Notar von Genf, berufen worden bin von demachtbaren Johann Calvin, Prediger des Wortes Gottes in Genf, undBürger der genannten Stadt, der krank, aber nur seines Leibes unvermögendist. Derselbe hat mir erklärt, er wolle sein Testament machen, undseinen letzten Willen aussprechen, indem er mich bitte, ich möchteschreiben, was er dictiren und aussprechen würde; was ich auf seinVerlangen gethan, und vor ihm, was er dictirt und ausgesprochenhat, Wort für Wort, ohne etwas auszulassen oder hinzuzufügen,in folgender Form niedergeschrieben habe."

Ich Johann Calvin, Prediger des Wortes Gottes in der Kirchevon Genf, bekenne im Namen Gottes, daß ich mich von verschiedenenKrankheiten so sehr gedrückt fühle, daß ich nichts Anderes denkenkann, als daß mich Gott in Kurzem von dieser Welt hinwegnehmenwill. So will ich denn die Vorsicht gebrauchen, mein Testa-ment schriftlich niederzulegen und die Erklärung meines letzten Willensin folgender Form auszusprechen."

1) Vie cke Olvin, psr Lsre.