Honorat. Ich glaube, daß man bei den meisten Mönchennicht nöthig hat, sie bei den Ohren zu ziehen, um sie aus ihremSchlupfwinkel heraus zu bringen.
Tubalcain. Wenn sie aus ihren Klöstern heraus sind, kannman ihnen Beschäftigung genug geben, wenn sie Hand an das Werklegen wollen.
Honorat. Um eine gute Einrichtung zu treffen, müßte mandas Gesetz der beiden Kaiser Valentinian und Valens beobachten, nachwelchem geboten war, daß Diejenigen, welche ein Mönchsleben führen,und durch dieses Mittel den öffentlichen Lasten entfliehen wollen, ausihrem Schlupfwinkel herausgenommen und gezwungen werden sollten,entweder dem Lande zu dienen, oder allen andern Vortheilen zu ent-sagen, welche Diejenigen genießen, welche die Arbeit und die Gefahrender Republik theilen.
Tubalcain. Du sangst mit einer schrecklichen Haushaltung an;da wird es aber nöthig sein, daß die vier Bettelorden, die weißenMönche, die schwarzen Mönche, die Cölestiner, die Trinitarier, dieJesuiten, die Kapuziner, die Carthäuser, die barmherzigen Brüder, dieChorherrn, die Weltpriester und andere geistliche Leute, ja sogar unsereMagister der Sorbonne ihren Habit ausziehen und das Feld bebauen.Wie kann dieß geschehen? Da würde mehr als ein Drittel von derBevölkerung, die früher nichts that, gezwungen werden, zu arbeiten.Und dann würden, wenn sie sich verheiratheten (wie sie sich denn inder That nicht davon enthalten könnten, wenn sie frei in der Weltlebten), die Stävte nicht halb hinreichen, das Volk zu fassen, welchessich vermehren, und in zwanzig Jahren die Erde ganz bedecken würde.
Honorat. Die Erde würde nicht bevölkerter werden, als siees jetzt ist; denn anstatt daß ein Jeder sich an eine einzige Frau hält,sieht man sehr deutlich, daß die Klosterleute und Mönche ganz ausge-lassen und von ihren Begierlichkeiten erhitzt sind, daß sie schamlos ausdem Lande herumlausen, um ihre Sinnlichkeit und Lüsternheit zu be-friedigen, wie Stiere den Kühen nachlaufen, so daß die Erde vonBastarden entehrt ist, welche von diesen schamlosen, liederlichen undehrlosen Leuten abstammen. Ich mag nicht länger davon reden, weilich fürchte, die Leser könnten erschrecken, wenn sie so abscheuliche undverächtliche Dinge hörten.
Tubalcain. Wenn dieses Alles wohl erwogen wird, mußman finden, daß es große Unziemlichkeiten in diesem Mönchsleben gibt,und daß es wohl gethan wäre, wenn man denen die Verehelichunggestattete, welche die Gabe der Enthaltsamkeit nicht haben; denn das