ist eine reine Thorheit der Menschen, wenn sie die Gabe der Keusch-heit geloben, und dieselbe zu halten versprechen: es ist nämlich nichtAllen gegeben; und alle Gelübde sind verdammlich, welche nicht vonGott geboten sind, so auch jene der Mönche und Nonnen, da derSchöpfer überdies die Hebräer und uns ermahnet hat, das; die Eheunter Allen ehrbar, und die Zeugung ohne Mackel sei: Gott wirdaber Hurerei und Ehebruch richten; und im ersten Briefe des hl. Pau-lus an die Chorinther heißt es im sechsten Kapitel: „Betrüget euchnicht! weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weich-linge werden das Reich Gottes besitzend Ich gebe daher deiner An-sicht nach, Honorat, und wünsche nur, daß man, wenn sie ausgeführtwird, mit jener Höflichkeit und Wahlanständigkeit verfahre, welche indiesem Falle erforderlich wäre.
Honorat. Die Wege, welche man dabei einschlagen müßte,wären, daß die reichen Leute ihre Brüder, Schwestern und nächstenVerwandten, die in den Klöstern, Mönchereien und Conventen leben,aus dem Schlupfwinkel, den sie bewohnen, herauszögen, und sie aufkurze Zeit bei sich behielten, um sie zurecht zu weisen, daß sie sich inGott erfreuen, und den Muth fassen sollen, ein ehrbares Handwerk zuerlernen, um dieses gebrechliche und hinfällige Leben durchzubringen;auch wäre ihnen nicht Anlaß zu geben, daß sie sich betrüben, weil sie ihreZeit so übel angewandt haben; sondern sie wären vielmehr an die Gnadezu erinnern, die ihnen Gott ertheilt hat, indem er sie aus dem Götzen-dienste und der Befleckung, in welche sie versunken waren, herauszog,um sie auf den Glauben an einen einzigen Christus den Gekreuzigtenzu leiten und zurück zu führen.
Tubalcain. Die Ordnung, welche du angibst, hat ganz denAnschein, daß sie für junge Leute und Andere, welche noch nicht dasvierzigste Jahr erreicht haben, oder darüber hinaus sind, sehr geeignetsei; denn man wird Mittel finden, ihnen eine Kunst zu lehren, ver-möge welcher sie ihren Lebensunterhalt je nach ihren Fähigkeiten ver-dienen können: die Einen, indem sie sich dem Landbau widmen, dieAndern mit ehrbaren Künsten, zu denen sich ihre Naturanlagen neigen,wieder Andere indem sie Rektoren, Vorsteher und Leiter von Schulenwerden. Denjenigen aber, welche vierzig Jahre alt sind und darüber,und von ihrer Jugend an einfältige Klostermönche waren, könnte manmeiner Meinung nach so lange sie leben eine kleine Rente auf dasGut und Einkommen ihres Klosters anweisen, wobei sie für sich selbstden Studien oder einem Gewerbe obliegen, und so in Frieden ihrenLebenslauf endigen könnten.