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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
284
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zu vermeiden und auf alle äußere Behutsamkeit strenge zu sehen, durchseinen Verkehr mit der ganzen Welt gewitzigt: blieb immer in den

Schranken der Schicklichkeit."

So schrieb die Reformation seit dreihundert Jahren Geschichte.Gewiß, der Name Bretschneivers in Gotha ist gepriesen. Sehet aberselbst, ob es möglich ist, die Wahrheit ärger zu entstellen. DieserSchriftsteller hat Calvin gelesen, und im Angesichte von ganz Deutschlandspricht er aus, der Reformator sei immer in den Schranken der Schick-lichkeit geblieben! Morgen wird das Lob Bretschneivers einem Neulingals Text zu einer Hymne an den Reformator dienen.

Was aber Bretschneider hier gethan hat, haben alle Apostel derReformation vor ihm gethan. Es ist unmöglich, auszusprechen, mitwelcher Kühnheit sie die Nachwelt und ihre Zeitgenossen hintergangenhaben. Wie sehr sind nicht wir selbst durch das Wort Luther's verleitetworden, ehe wir den sächsischen Protestantismus kennen lernten! Wieleicht konnten wir lachen über unpassende Reden, die ein Mönch ausCöln oder Löwen äußerte! Wir erinnern uns noch, auf unserer Reiseeiner jener Einsiedler-Gestalten begegnet zu sein, auf deren Kleid mandie Spuren des Weins entdeckte: wir konnten uns der Heiterkeit nichterwehren. Und so oft ein Schüler aus Hochstratens Schule an unsererSeite ging, mit einem Buche unter dem Arme, waren wir im Begriff,den Mönch um den Titel des Buches zu befragen; denn wir warenüberzeugt, daß er nie etwas Anderes gelernt habe, als Essen undTrinken. Es traf sich aber, daß wir in eine jener Zellen geführtwurden, welche LutherTröge" nannte und in welcher eines jenerunreinen Thiere" lebte, von denen er sich nicht denken konnte, daß sienach dem Ebenbilde Gottes geschaffen seien. Wir gestehen, daß wirdamals von einem Alp befreit zu werden glaubten. Diese mönchischenGeister stiegen größtentheils vom Himmel herab; es war leicht, ihn anallen Schätzen ihres Kopfes zu erkennen! Wie hat sich Luther über unslustig gemacht! Die Mahnung war aber nicht vergebens. Eine voll-kommene Revolution ging in unfern Ideen vor. Wir suchten die Wahr-heit: wir gelangten bald durch Prüfungen, Untersuchungen und Ver-gleichungen bei der zweifachen historischen Lehre an: Haltet Alles fürfalsch, was Luther für wahr ausgibt; achtet Alles für ehrwürdig,was er herabsetzt und beschimpft. Wenn ihr euch nach diesen Grund-sätzen richtet, um nach Luther oder Calvin eine Thatsache, oder einenMenschen zu beurtheilen, werdet ihr nie irren.

1) Calvin und die Genfer Kirche. S. 35,