Betrachten wir nun den Vorsänger oder Cantor, welchen Calvininsbesondere häßlich gemacht hat. Nie lebte in Deutschland, dem „klassi-schen Lande klösterlicher Hurerei," wie die Reformirten sagten, ein Prie-ster wie Gabrielde Saconay, der sich nicht in Luther's Sammlung befindet.Selbst Ulrich von Hutten hätte mit seinem Belastungstalent keine Phan-tasiegestalt zu zeichnen vermocht, welche diejenige erreicht hätte, welcheCalvin uns hier entwirft. An diesem eigens zur Belustigung der Flücht-linge, welche die Märkte Genfs bezogen, geschaffenen Wesen, fehltauch keine von allen Todsünden. Saconay ist geitzig, neidig, gefräßig,stolz, faul, zornig und unzüchtig. Wohlan, wenn ihr die Geschichte derReformation kennen gelernt habt, dürft ihr versichert sein, daß Saco-nay allen Priestern in Lyon aus dieser Zeit gleicht, daß er nämlichein sittsamer, gelehrter, von evangelischem Eifer erfüllter Mann ist,ein guter Geistlicher, ein guter Patriot, mit einem Gott, einem Glau-ben und einer Taufe.
Calvin, welcher die Volksfreiheiten in unjern Provinzen von Lyonund Fores ersticken wollte, hätte Weltgeistliche haben sollen, wie mansie in einigen Kreisen Deutschlands traf, welche sich einschläfern unddie Revolution an sich vorübergehen ließen. Er hatte es aber mitglaubensvollen Gemüthern zu thun, welche weder eine Kränkung nocheine Marter fürchteten. Unsere Priester saßen an den Schwellen derThore Lyons und ließen keine jener Schmähschriften ein, welche denNamen Despeville trugen, in denen Calvin alle katholischen Neigun-gen beschimpfte; in denen er wollte, daß man, wie er es in seinerAbhandlung von den Reliquien ausspricht*), die Köpfe unserer Mär-tyrer ins Beinhaus werfen solle, daß man, wie er in seiner Schriftgegen die Sorbonne sagt, diese Schule der heiligen Wissenschaften,„eine wahre Pflanzschule des Götzendienstes," schließen solle, daß man,wie er in seiner Auseinandersetzung des Briefes Papst Pauls Hl.,den man in der Flamme vertilgte, Rom als „die Grundsuppe allerLaster" ansehen sollte. Vergebens suchte er sich unter angenommenenNamen zu verbergen, der Priester von Lyon hatte den Ueberläufer vonNoyon erkannt, und wußte zur Belastung des Reformators eine MengeGeheimnisse, die er von der Kanzel herab veröffentlichte. Er hieltdie Genfer Hausierer auf, zeigte sie der Obrigkeit an, und bewirkte,daß sie unter dem Jubel des Volkes aus der Stadt gejagt wurden.
1) .^ckmonitio cko kolimiüs, Eonevno, pei ^oannem Eersräum. 15.48.in 12. — Diese Abhandlung erschien auch in franzöyscher Sprache. Dielateinische Ausgabe führt wie die kleinern Werke ein Flammenschwert mitder Inschrift: vom, ut mitlerem paeom, soct Zlaäium."