Grundsatz aufzustellen — die ungerade Zahl sei an Gott albern; wieaber du Geiferer! wenn ich dir hingegen die Zahl drei setze, dreifachvermehrt, so wird eine wunderbare Zahl von Göttern entstehen." ^
Die Ruhe Genfs war gefährdet. Die italienische Kirche, welcheCalvin gegründet hatte, drohte die ganze Gemeinde der Reformirten zuzerstören. Die italienischen Flüchtlinge konnten sich nicht ohne Murrenunter das Joch des Theokraten beugen; sie wollten frei sein. Calvinerkannte das Bedürfniß einer einigen Lehre und verfaßte deßhalb einFormular, welches die Fremden unterschreiben mußten. Valentin Gen-tilis folgte seinen Mitbürgern: er leistete den Eid auf das Bekenntniß;er bereute es aber bald und fing auf's Neue an, seine Träumereien zupredigen.
„Ich bekenne," sagte er, „daß der Gott Israels, den die heiligenSchriften uns als Len allein wahren Gott vorstellen, und von dem dieleeren Sophisten läugnen, daß er einen Sohn habe, der Vater unsersHerrn Jesus Christus ist, und daß derselbe Jesus Christus, den ergesandt hat, in so fern er das Wort ist, der wahre und natürliche Sohnves heiligen Gottes, des allmächtigen Vaters ist."
Wenn man bedenkt, daß sich die Bevölkerung Genfs, welche denherrlichen Lehren der katholischen Kirche freiwillig entsagt hatte, nun andiese thörichten, einem kranken Gehirne entsprungenen Worte hielt,wird man von einem schmerzlichen Erstaunen überfallen.
Calvin ließ den Italiener in's Gefängniß setzen, und der Unglück-liche, welcher sich für einen Erleuchteten hielt, klagte seine Richter anund bat Gott, daß er sie erleuchten möchte; als aber das Licht nichtschnell genug vom Himmel herab kam, schrieb er ihnen:
„Gläubige Prediger des Wortes Gottes! (er wandte sich an diealten Apostaten Cop, Remond, Enoch.) Calvin nennt meine Ansichteine Träumerei. Ich wollte, daß die alten Lehrer auch so geträumthätten: sie würden den Verstand der Menschen nicht so arg verfinsterthaben. Es steht mir aber nicht an, von mir selbst zu reven; wenndas, was ich sage, wahr ist, gebührt das Lob nur Gott, nicht mir: ichhätte nie solche Dinge gekostet, wenn mich nicht Gott in denselben unter-richtet hätte. Der Vater des Wortes ist der Gott Israels, das Wortist der Gott Israels. Diese beiden Sätze sind wahr, wenn man sie aber
1) Opusculvs <te Lslvin.
2) lbick.