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Zweiter Band (1844)
Entstehung
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278
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Armer Gemilis, der mit so kindlicher Einfalt an die DuldsamkeitCalvin's glaubte! Warum blieb er nicht in Vicenza mit seinen anti-trinitarischen Freunden? Wußte er denn nicht, daß es.in ganz Italienkein schrecklicheres Gericht gab, als das Consistorium; keinen Inquisitorin Spanien, der arglistiger war, als der Flüchtling von Noyon; keinLand, in welchem die Seele weniger frei war, als in der resormirtenSchweiz! In Venedig todtete man wohl bisweilen den verstockten Ketzer,aber man beschimpfte ihn nicht; in Genf verbrannte man ihn, und derwitzige Henker machte sich einen Spaß daraus, ihn zu verspotten,während er die Stunde des Todes erwartete. In Genf lebte ein Prophet,welcher sagte:wenn Servet in meine Hände fällt, wird er verbrannt."Und Servet wurde verbrannt.

Gentilis starb nicht, weil er den Muth Servers nicht hatte: erwar eine gewöhnliche Seele, die vor den Richtern erbleichte und wider-rief.

Calvin verfolgte ihn mit seinem Hasse und seinem Spott: der Haßwar glühend, der Spott unedel. Er schrieb eine Schmähschrift gegenGentilis, unter dem Titel:Enthüllung der Gottlosigkeit des ValentinGentilis." s) In dieser Schrift wollte er mit seinem Gegner nichtkämpfen, sondern ihn zernichten. Er nennt ihn einen Nichtswürdigen,der den Schlamm und den Morast trinke, welchen er aus den Träumereiendes Servetus geschöpft habe, und der dann Diejenigen, welche ihrenGeschmack verderbt haben, überrede, es sei süßer Liqueur und gutesGetränke; 2) während doch Gentilis die Schriften des spanischenArztes niegelesen hatte und nur mit der Schrift in der Hand zu disputiren verlangte.Der Antitrinitarismus machte Fortschritte, man lehrte ihn öffentlich imLande der Graubünotner, in Siebenbürgen, in Polen, und vor denThoren Genfs; selbst in Lyon, wo die Dichter das System des Gentilisin Verse brachten, wie uns Calvin berichtet.

Da es heut zu Tage Viele gibt, welche sich über die Störungenund Verwirrungen, wie über die Verwüstungen, welche in der wahrenLehre Vorgehen, die Lippen reiben; darf man sich nicht wundern, daßin Lyon ein Schwätzer aufgestanden ist, welcher das Gift, von dem ervoll ist, aus seinem Munde gespieen hat. Es ist dort auch ein Dichter,der sich bemüht, die Theologie Valentins durch seine Verse zu verherr-lichen. Unter Anderm nimmt er keinen Anstand, den Ausspruch als

1) Opuscules, p. 1921.

2 ) Ibick.

3) korw, üist. rsk. Lccle5. kllssticsrum. öoeü. Hist, rmtitr. t. II.x. 410 411. Llsocrie, p. 177.

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