die des Glaubens waren, der heilige Geist müße das Geheimnis der .Wortes Gottes jeder Seele mittheilen, welche im Stanve sei, die
„Vier Männer, ausgezeichnet durch ihre Abkunft, ihre Aemter und ihreTitel, errichteten in der venetianischen Stadt Vicenza im Jahre 1546 eine ArtAkademie, um sich über Gegenstände der Religion gemeinschaftlich zu beiprechen,insbesondere über jene, über welche damals am meisten verhandelt wurde."
„Eine Art Verwirrung, welche sich damals beinahe über ganz Europaausgebreitet hatte, die argen Mißbräuche und Anstößigkeiten, welche in allenLändern eingerissen hatten, der Aberglauben und die lächerlichen, gefähr-lichen religiösen Meinungen, welche verbreitet worden waren, brachten dieseGesellschaft zur Ueberzeugung, die Religion bedürfe einer Reformation ; und dadie heilige Schrift, nach dem Zeugnisse der ganzen Welt, das reine^ WortGottes enthalte, müsse es das sicherste Mittel sein, die Religion von falschenMeinungen zu säubern, wenn man nicht zugebe, daß etwas Anderes gelehrtwerde, als was in der heiligen Schrift stehe."
„Da sich diese Gesellschaft mit Literatur und Philosophie beschäftigte,erklärte sie die Lehre der Schrift nach den Regeln der Kritik, welche sie sichgebildet hatte und ihren philosophischen Grundsätzen gemäß. Sie ließ nur dasals Geoffenbartes gelten, was sie als deutliche Lehre Versand: was sie nämlichmit dem Verstände zu erfassen vermochte."
„Nach dieser Methode beschränkten sie das Christenthum aus folgendeLehren."
„Es gibt einen allerhöchsten Gott, der Alles durch die Macht seines Wor-tes geschaffen hat, und durch sein Wort Alles regiert."
„Das Wort ist sein Sohn, und dieser Sohn ist Jesus von Nazareth, derSohn Mariens, wahrer Mensch, aber ein höherer Mensch, als andere Men-schen, da er aus einer Jungfrau durch Mitwirkung des heiligen Geistes geborenwurde."
„Dieser Sohn ist derselbe, den Gott den alten Patriarchen verheißen hat,und den er den Menschen gibr: es ist der Sohn, der das Evangelium verkünrdet und den Menschen den Weg zum Himmel gezeigt hat, indem er seinFleisch abtödtete und ein Leben der Mildthätigkeit führte. Dieser Sohn istgestorben nach dem Willen seines Vaters, um uns die Vergebung der Sündenzu verschaffen; er ist durch die Macht des Vaters wieder auferstanden und istnun glorreich im Himmel."
„Diesem, en, welche sich Jesus von Nazareth unterworfen haben, sind vorGott gerechtfertigt, und Diejenigen, welche ihn verehren, empfangen die Un-sterblichkeit wieder, welche sie durch Adam verloren haben. Jesus Christusallein ist der Herr und das Haupt des Volkes, das ihm unterworfen ist; er istder Richter der Lebendigen und der Todten; er wird wieder kommen zu denMenschen am Ende der Zeiten."
„Dieß sind die Hauptpunkte, ans welche die Gesellschaft von Vicenza dieganze christliche Lehre beschränkte. Die Dreieinigkeit, die Consubstantialitätdes Wortes, die Gottheit Jesu Christi rc. waren nach der Ansicht dieser Gesell-schaft nur aus der Philosophie der Griechen entlehnte Meinungen und keinegeoffenbarte Wahrheiten."
„Die Versammlungen zu Vicenza konnten nicht so geheim gehalten werden,daß die Verwaltung nicht eaoon Kenntniß erhalten hätte: es wurden einigeMitglieder festgenommen und zum Tode verurtheilt, Andere entflohen, undunter diesen waren Lälius Svcin, Bernardin Ochin, Pazuta, Gentilis rc.,welche sich nach der Türkei, nach der Schweiz oder nach Deutschland flüchteten."
„Die Häupter der sogenannten Reformation waren nicht weniger, als d eKatholiken, feindlich gegen die neuen Arianer gesinnt; und Calvin hatte denServet verbrennen lassen: so konnten auch die Verbannten von Vicenza ihreAnsichten nicht frei in jenen Orten äußern, wo die Obrigkeit den Reformatorengehorchte. Sie zogen sich endlich nach Polen zurück, wo die neuen Arianer