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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
275
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sie möchten ihn bis zum nächsten Frühjahr in Zürch bleiben lassen;die Reformation zeigte sich aber ohne Mitleid.

Ochino, schon alt und Vater von vier Kindern, trat seinen Wegin die Verbannung an. Die Stimme, welche ihm im Kloster gesagthatte:Nimm und lies," konnte er nirgend mehr vernehmen. Es istwahrscheinlich, daß ihm der heilige Geist eine letzte Warnung nicktversagte; aber der Unglückliche wollte nicht hören.

Und Beza schrieb an Dudicius:Bernardin Ochino ist ein ab-scheulicher H...r, ein Begünstiger des Arianismus, ein Spötter überChristus und seine Kirche."

k) G e n t i l i s.

GentiliS wird nach Genf gezogen und predigt daselbst seine Ansichten von der Drei-einigkeit. Er wird angegriffen und von Calvin bekämpft. Seine Gefan-gennehmung. Sein Widerruf. Er wird aus der Stadt verbannt undin Bern geköpft.

Wird Valentin Gentilis glücklicher sein? Er war Mitglied desCollegiums von Vicenza," welches aus einigen Tollköpfen bestand,

1) Scbelkorn, ^moenit. III.. p. 2022, 2166, 2174.

2) Alosdeim liccles. cent. XVI. Aluccrie, kistoire cke Is kölolmalion,p. 173. äcc.

Luther hatte die Autorität der Kirche, der Ueberliefcrung und der Väterangegriffen; die Schrift war diesem Theologen zufolge die einzige Richtschnurunseres Glaubens, und auch jeder Laie ein Ausleger der Schrift."

Wenn der Christ bei Auslegung der Schrift sich selbst überlassen ist, hater keinen andern Führer, als seine eigene Erkenntnis', und jeder sogenannteReformirte entdeckte in der Schrift Nichts, als was mit seinen Meinun-gen und Vorstellungen, die er sich gemacht, oder den Grundsätzen, die er sichselbst gestaltet halte, übereinstimmend war; und wie beinahe alle Ketzer nichtsAnderes, als falsche Ausleger der Schrift waren, so traten auch beinahe alleKetzer in einer Zeit auf, in welcher der Fanatismus und die Zügellosigkeitbeinahe über ganz Europa die Grundsätze der Reformation verbreitet hatten."

So sah man aus dem Schooße der Reformation Sectcn hervorgehen,welche die Dogmen angriffen, die von Luther geachtet worden waren; dieDogmen von der Dreieinigkeit, von der Gottheit Jesu Christi, von derWirksamkeit der Sacramente und von der Nothwendigkeit der Taufe/'

Aber diese beinahe alle aus dem Fanatismus und der Unwissenheit her-vorgegangenen Serien waren auch unter sich uneinig und erfüllten Deutschlandmit Zwietracht und Empörungen."

Während Deutschland von diesen Facticnen zerrüttet wurde, keimten sozu sagen die Grundsätze der Reformation, welche in Länder getragen wurden,in denen das Feuer des Fanatismus die Geister nicht erhitzte, ruhig auf, undfanden Bestand in den Gesellschaften, welche sich ein Geschäft daraus machten,zu raisonniren."

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