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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
274
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Glaubensbekenntniß ablegen. Er gehorchte und schwur, daß er imSchooße der zwinglischen Kirche leben und sterben wolle. Kaum hatteer aber den Eid geleistet, so reute es ihn. Er bestieg die Kanzel undwagte es, einige Dogmen der helvetischen Gemeinde anzugreifen; aberNiemand rührte sich. Er griff nach seiner Feder und leugnete in sei-nenl.abz'riritlii" beinahe alle christliche Wahrheiten; aber er

vermag keinen Lärm damit zu machen, der ihm doch so nothwendig,der sein Manna ist. Nun sandte er insgeheim eine Sammlung vonDialogen nach Basel, das Werk einer Einbildungskraft, welchem ihremVerfalle noch von irdischen Eroberungen, Weihrauch und Dunst träumt,und mit ihren Thorheiten die Aufmerksamkeit zu fesseln hofft. Damalsschrieb er den Dialog über die Vielweiberei, welchen uns die Refor-mation als eine Künstlercapritze, als das Spiel eines abenteuerlichenGeistes, als ein literarisches Wagniß vorgeben wollte; der aberganz gewiß eine philosophische Idee enthält, welcher Ochino denSieg zu verschaffen suchte. Die Reformation mag demnach immer-hin die freie Forschung rühmen; sie soll aber auch sehen, wohin dieseeinen der größten Geister des sechszehnten Jahrhunderts führte!

Man glaubt, daß das Original Ochino's^) von Castalion indas Lateinische übersetzt wurde. Die Handschrift, welche an Amerbach,den Rector der Universität Basel gesendet worden war, wurde demCoelio Secundo Curione zur Untersuchung übergeben; er behaupteteaber später, daß er die Arbeit nie gebilligt habe.

Die Zürcher Theologen stießen bei der Erscheinung dieses Bucheseinen Schrei des Entsetzens aus und der Magistrat erließ einen Bann-brief gegen den Verfasser.

Es war mitten im Winter, dcßhalb bat Bernardin seine Richter,

1) 8cticl!iorn. ^mocnil., t. II!., p. 2164.

2)Einige Schriftsteller behaupteten, man dürfe von Ochino nicht annehmcn, daßer die Vielweiberei unterstützt habe; ich glaube jedoch, daß man diese Dialogenicht mit Unparthcilichkeit lesen kann, ohne daraus den entgegengesetzten Schlußzu ziehen." Hisloire clc la rclorinc cn Italic, psr Llaccric, p. 437.

3) Lernaräini Ocliini scnensis llislogi XXX, ln «luo» lidros llivisi, äcc.Lilsileae, 1563, 8.

Der 21. Dialog handelt: clc kol;'g<imis.

Der 20.: <Ic rstione cxstrucnlli rcgni llliristi et clcstrucnäi Xnti-ckristi.

In dem 28.: yuo paeto trsctlmäi »unt kacrclici, stellt Ochino dieBehauptung auf, es sei nothwendig, daß man die Ketzer mit dem Todebestrafe.

Die Aufschrift des 30. Dialogs ist: üc lrumana cliabolicsquc srro-xsmtis.