mußten. Darüber muß man sich verwundern, daß Calvin, wenn erden Westphal einen wüthenden Hund, den Servet einen Schurken,den Bolscc ein Vieh, die Cardinäle von Trient Boten des Antichrist,den Baudouin einen Hahn und in der Kunst zu stehlen gewandtenMeister nennt, sich cinbildet, er habe sich Christus und die Prophetenzu Mustern genommen. Wir reden in vollem Ernste. —
„Es beliebt Herrn Magister Joachim, mir zu sagen, meineSprache sei von einem schwarzen Salze bestreut, voll von läppischenSpäßen, ohne Geschmack, beißend herb, wie die Sprache eines Ver-leumders. Wenn ich ein ehrenrühriger Mensch genannt werden soll,weil ich dem Magister Joachim, der in seinen Lastern all zu sehr ver-blendet ist, den Spiegel vorgehalten habe, damit er endlich einmalAbscheu vor sich selbst bekomme, muß man diesen Vorwurf nothwendigauch den Propheten, Aposteln, ja selbst Christus machen, welche keinenAnstand nahmen, den Gegnern ihrer heiligen Lehre bittere Vorwürfezu machen, selbst Denjenigen, von welchen sie sahen, daß sie hoch-müthig und verstockt seien."
„Wir sind durchaus überzeugt, daß ehrenrührige Reden undalberne Possen dem Christen keineswegs anstehen. Aber auch eben sosehr, daß sich selbst die Propheten nicht gänzlich enthielten, empfind-liche Sticheleien anzuwenden, wie Christus, indem er sich überdie Betrüger und falscher Lehrer mit beißenden Worten beklagt, undüberall den heiligen Geist gegen solche Leute wendet, indem er ohneSchonung ausruft: es ist eine thörichte und unbesonnene Sache zufragen, ob es gesetzlich sei, Denjenigen, welche sich selbst der Verleum-dung und Entehrung aussetzen, streng, roh und mit Vorbedacht zuentgegnen."
Man muß sehen, mit welcher heiligen Einfalt Drelincourt dieDertheidigung dessen übernimmt, den er unaufhörlich „den Heiligenvon Genf, den Schüler des Paulus, das Kind Jesu Christi nennt."Baudouin hatte zu Calvin gesagt: „Deine Amtsgenossen beklagen sichüber deine übermüthige Pracht und deinen unerträglichen Stolz."Drelincourt wird aufgebracht und gibt in seinem reformirten Eifer demBaudouin zur Antwort: „Du hast gelogen." Dann führt er dieschönen Worte des Reformators an, um „die Natterkrautsprache desMagisters Baudouin zu widerlegen."
r) Opuscul., p. 1821.