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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
260
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Lahmen und Blinden getroffen hätte, welche der gute Priester seineKinder und seine Höflinge nannte.

Die Bibliotheken des sächsischen und französischen Reformators hat-ten einige Aehnlichheit mit einander. In der einen wie in der andernstanden eine Vulgata, Kirchenväter und theologische Pamphlete. Calvin undLuther lasen beide nur wenig; die Bibel war das einzige Buch, inwelchem sie gerne blätterten; sie wußten dieselbe beinahe auswendig.Der heilige Paulus war in ihren Augen der herrlichste Ausdruck des Gei-stes Christi.

Luther verglich die Bibel einem großen Walde von Bäumen, vondenen er sagte, daß er an alle geklopft habe. Calvin sagte, es gebein den Zweigen dieser schönen Bäume Platz für alle Vögel des Him-mels. Luther hatte in seinem Arbeitszimmer, so lange er lebte, einhölzernes Cruciflr hängen, vor welchem er niederknieete und betete: seinEhering ist mit einem Christus am Kreuze geziert. Calvin liebte dieBilder nicht; er dachte wie Carlstadt, daß sich der Mensch mit seinenHänden kein Bild schnitzen solle, aus Furcht, er könnte in die Sündedes Götzendienstes verfallen. Erasmus hatte ihnen Antwort gegeben,und auch Luther entgegnete ihnen auf diese bilderstürmende Ansicht.Calvin hatte in seinen Tempeln alle bildlichen Darstellungen nieder-reißen lassen, weil er nicht verstand, daß das Bild die Bibel Derjenigensei, welche nicht lesen können. Wenn er während seines ganzen Lebenseine Perle oder eine Blüthe auf seinem Wege findet, wird er sich gewißnicht bücken, um sie aufzuheben. Wir denken uns bisweilen Luthernach Genf in die Wohnung Calvin's. Welche herrlichen Gedankenhätte ihm der Anblick der Berge, der Flüße, des See's, der Schnee-maffen, des Grün's und des Eises eingeflößt! Welche Lieder beimAufgange der Sonne! Da hätte er wohl zu Justus Jonas gesagtwenn nur Sünde und Tod weg wären, wollten wir uns an solchemParadiese genügen lassen!"*) Wenn man die Briefe Calvin's liest,glaubt man, der Reformator sei von Gott dazu verdammt worden,sein ganzes Leben lang in sarmatischen Steppen zu wandern, oder inden Wäldern des Norden?) Der Mangel an Rührung beim Anblickeder Gegenstände, welche die Einbilvungskraft so lebhaft ergreifen, be-zeugt hinlänglich, welche Kälte im Herzen des Genfers wohnte. DieseUnfruchtbarkeit des Gemüthes ist sein Loos und sein Leibgedinge, erschleppt sie wie eine Kette mit sich fort. Betrachtet ihn, wenn Servet

1) MathefiuS.

2) Paul Henry. I. 485.