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nach einem hitzigen Streite wirklich erlegen. Calvin glaubte viel weni-ger als der sächsische Mönch an den Einfluß des Teufels; er schriebdiese geistigen Abspannungen secundären Ursachen zu: Übeln Verdau-ungen, chronischem Kopfweh und den Launen des Gehirns. Dannwarf er sich mitten in die Geschäfte hinein; er predigte, er discutirteim Konsistorium, er las, er schrieb an seine Freunde, denen er nichteinmal die kleinste Unpäßlichkeit verschwieg. Um sich zu trösten, hatteer in seiner Bibliotheke die „christliche Unterweisung," ein enormesBuch in Folio, das er mit einem gewissen Stolze betrachtete, der sichin aller Majestät zeigte, um den zahlreichen Besuchern zu beweisen,welche Schätze der Rede und des Gedankens im Haupte des Refor-mators verschlossen liegen.
Er dictirte gerne mit lauter Stimme. Die mechanische Bewegungder Feder war ihm zuwider, deßhalb hielt er einen Secretär. DieArbeit blieb beinahe immer in ihrer ursprünglichen Form, wie sieaus dem Haupte des Meisters hervorgegangen war. Wer ihn nichtgelesen hat, kann nicht begreifen, wie ihm die alte Sprache desRömerlandes gelenkig und biegsam ist, während ihm die französischeMuse oft trotzt. Man sieht auf dem Papiere nicht selten die unfrei-willigen Züge, die sie sich gefallen lassen mußte; sie ist eine eigen-sinnige Schülerin, die nur der Gewalt der Strafe folgen will. Beifeierlichen Veranlassungen, wenn Calvin eine große Bekehrung bewir-ken, einen gelehrten Satz behaupten, einem Papisten auf den Leibgehen will, wird er deßhalb auch zum Bürger von Rom, dem RomSeneka's: er denkt und schreibt in lateinischer Sprache. Dannist seine Rede gewiß geordneter, als die Rede Luther's; aber sie ent-behrt des Lebens, der Begeisterung, der Flamme, die uns so häufigin der Streitschrift des Sachsen entgegen tritt. Luther mag in einertodten oder lebendigen Sprache schreiben, er bleibt immer ein Schöpfer.Wenn er ein Wort nöthig hat, und die deutsche Sprache will es ihmnicht bieten, so schafft er eines. Wenn man ihn fragt, in welchemWörterbuche er das ungewohnte Wort gefunden habe, lacht er lautauf. „Was liegt daran, wenn es ein Barbarismus ist; wenn ihn derLeser nur versteht." Und wenn man weiter in ihn dringt, so sagt er:„ich habe es in dem Buche gefunden, das ich dem Teufel an denKopf warf, der mich in meinem Arbeitszimmer quälte, wie du michjetzt quälen willst."
Calvin war ängstlich um seinen literarischen Ruf bekümmert.Er zog seine Freunde gerne zu Rathe. Sein gewöhnlicher Richter istFarell: an ihn sendet er das „Antidoton gegen das Concilium von
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