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Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
246
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Verheißungen seiner Mutter bekannte. Ehe er aber bekannt und seinGeständniß ausgeschrieben hatte, war das Todesurtheil schon beschlossen,veröffentlicht und am nämlichen Tage vollzogen. Als die erbarmungs-würdige, jammernde Mutter sah, daß gerade das Gegentheil von demgeschehen sei, was sie auf die Verheißung des Rathes hin gehofft hatte;als sie sah, daß ihr Sohn todt sei, und sie sich für die Ursache seines Todeshielt, für die Verrätherin an seinem Blute: suchte sie sich das Lebenzu nehmen aus Scham und Kummer. Wie rasend verließ sie plötzlichdie Stadt; schreiend und mit ihrem Jammer die Luft erfüllend, lief sienach Bern, Zürch, Freiburg und in andere Cantonsstädte, klagteüber die abscheuliche, unmenschliche That, die sie begangen habe aufAnstiften der Nathsherrn Genfs, und insbesondere eines Amblar Corne,der sie zu solchem Verrathe beredet habe. Sie bat Gott und die Vor-stände der Cantone um Gerechtigkeit gegen die Stadt Genf."

Claudius von Geneve und die beiden Comparet starben ebenfallsauf dem Schaffote.

Die Patrioten, welche der Todesstrafe entronnen waren, flüchtetensichnach Bern, wo Calvin sie verfolgte. Er verlangte, daß man sie ausder Schweiz hinwegjage. Bern weigerte sich, mit der Rache des Refor-mators gemeinsame Sache zu machen; cs scheute sich nicht, laut zuerklären, daß es dem unglücklichen Muthe seine Bewunderung nicht ver-sagen könne. Der Haß Calvin's gegen die Patrioten wurde nur ver-größert durch diesen Schutz. Er brachte es bei dem Nathe dahin, daßdie Frauen der Libertiner verbannt und ihre Güter eingezogen wurden.Die Stelle eines General-Capitäns wurde aufgehoben unv gegenjeden Bürger die Todesstrafe festgesetzt, der es wagenwürde von der Nückberufung der Verbannten zu reden.*)

Genf stand unter einem Califen.

So endete der Streit Calvin's mit den Patrioten. Das Blutallein konnte Demjenigen den Sieg geben, der es zu vergießen wagte.Wenn auch die Libertiner in diesem langen Kampfe des Muthes nicht entbehr-ten, so kann man doch nicht läugnen, daß sie die Kühnheit nicht hatten,welche dem Revolutionär nothwendig ist. Bis zum letzten Augenblickeglaubten sie, Stichreden im Wirthshause könnten einen Menschenvon Calvin's Schlag verderben. Der Spott war in Genf nicht tödtlich.

I) p. 28.

Verflucht sei das Andenken des Blutdürstigen, welcher den Sohn Phili-bert Berthelier'S aus dem Schaffote hinrichten ließ;" sagt Galiffe. Kot. tieu.III.', 552.