Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

armen Sünders waren in der Gluth versteckt, der Kopf schwebte in einerWolke von Rauch und Schwefel, durch welche man die Lippen sah,wie sie sich zum Gebete öffneten. In dem Augenblicke, in welchem dieFlamme das Angesicht verzehren wollte, stieß er ein so entsetzlichesRöcheln aus, daß die Menge in eine Todtenstille versank. Einige ausdem Volke liefen, vom Mitleide gerührt, hinzu, um dem Henker zuhelfen und den Servet mit dem angezündeten Reisig zu ersticken. Manhörte nichts mehr, als das leise Lallen:Jesus, ewiger Sohn, habeBarmherzigkeit mit mir!" Servet erschien vor Gott und Calvinmachte das Fenster zu, an welches er sich gesetzt hatte, um bei demletzten Athemzuge seines Feindes gegenwärtig zu sein. Als der Refor-mator in seine Wohnung zurück kam, sammelte er in Gedanken die Ideenzu einer Schrift, welche ihn in den Augen der reformirten Welt recht-fertigen sollte. Das Buch erschien im Jahre 1ö54 unter dem Titel:bllelolis vxpositio orrorum ülioliaolis Kvrvoti ot brovis oorunckeiurolutatio, ubi ckooetur furo glnclii eooreouelos osso Ilgorotieos."

Er hatte nöthig von dem Blutvergießen losgesprochen zu werde»,das mit Verachtung aller göttlichen und menschlichen Gesetze veranlaßtworden war; denn der Usurpator Gcnf's der sich wiverrechtlich der bür-gerlichen und religiösen Macht bemächtigt hatte, der selbst von der Ketzereiangesteckt war, ein Fremdling in dieser Stadt, konnte den Servet nichtrichten, dessen Verbrechen überdies; nur dort bestraft werden durste, woer es begangen hatte.

Das entsetzte Volk ging stillschweigend nach Hause, und Farel! ver-ließ Genf, um nach Neuchatel zurückzukehren.

Einige Tage vorher hatte er an Calvin geschrieben:Ich begreifenicht, daß ihr euch beeilet, denjenigen Verbrechender so vielen Christenihre Seelen getödtet hat, leiblich zu tödten! ich kann nicht glauben, daßman Richter finden könnte, die ungerecht genug wären, das Blut diesesinfamen Ketzers zu schonen."

Das Exemplar der(lliristinnismi restitutio", dessen wir unsbedient haben, als wir diese Geschichte schrieben, gehörte einem derRichter Servet's, Colladon,welcher für die Folter stimmte, selbst wennder Angeklagte schon gestanvcn hatte, nur um noch mehr aus ihm zubringen." Es führt den Namen des Juristen auf dem Titclblatte.

ft) . Ussüi ck'uu pröris sm' l'liist. Uv la ,öi>ubli<iu6 ckv Uc--

II6V6, t. I., 270; ck'.VrtiZnx, 152.

2) ksrell. <!»lv., 8. sept. 1552. llnlv. epist., p. 150.

3) Oslitle, t. II., p. 506.